OMNIA „Live On Earth“

OMNIA: Live On Earth
OMNIA: Live On Earth

Seitdem Omnia 2006/2007 mit den Alben „Pagan Folk“ und „Alive“ endlich auch für ein größeres Publikum zum „Nonplusultra“ akustischer Liveperformance avancierte, ist unglaublich viel passiert. Sie haben vielversprechende Plattendeals wieder ausgeschlagen und mit extravganten musikalischen Experimenten auf den Alben „Wolf Love“ und „Musick & Poetree“ nicht nur ihre Fans vor den Kopf gestoßen. Und die Besetzung um Steve und Jenny wechselte eine zeitlang atemberaubend schnell. Als 2010 Mitbegründer Luka die Band verließ, war Trauer angesagt, denn der Hühne hat nicht nur mit seinem unnachahmlichen Didgeridoo-Spiel die Band maßgeblich geprägt. Jahrzehntelang Folk´n´Roll hinterlässt Spuren. Und die Welt ist verwöhnt, sie verzeiht nie, weder Änderungen noch Entgleisungen und sie reagiert empfindlich, wenn erfolgreiche Rezepte verändert werden… Und so haben Country- und Hip-Hop-Avancen und Jennys souveräner Schwenk von der keltischen Harfe hin zum Piano die Menschen irritiert. Auch die extremen fröhlichen Ausflüge in die seichten Gewässer der Pop-Musik waren für manche gewöhnungsbedürftig…

Doch eine Band, die sich ändert, ist lebendig. Und Omnia haben schon immer gemacht, was sie wollten und sich um Genre und Schubladen einen Dreck geschert… Und wie zum Beweis ist „Live On Earth“ dann auch der emotionale Kracher, der alte und neue Songs und jede noch so schmerzhafte Veränderung in den unvergleichlichen Omnia Kosmos integriert. Die in ihren Studioversionen doch etwas sperrig wirkenden Sachen, wie „Niiv“ und vor allem „I Don´t Speak Human“ wirken erst in dieser Live-Interpretation wirklich fertig. Omnia geben Gas, machen mehr Druck und fügen ihrem Pagan Folk nun völlig berechtigt ein trotziges ROCK hinzu.

Eines der wichtigsten Lieder meines Lebens,  „The Sheenearlahi Set“, hat mich dann auch erneut wieder umgehauen. Das Stück ist als Bonus Track auf der CD „Pagan Folk“ enthalten und zeigt in der neuen Version, was sich in dieser Zeit alles in dieser Band verändert hat. Es gelingt Omnia tatsächlich, da noch eins draufzusetzen. Zwar trägt die nunmehr exzellente Produktion maßgeblich dazu bei, dass dieses Album wirklich rockt, doch das gelingt Omnia immer noch ohne Bratgitarre und Potenzgeschrei. Auch mit konventionellen Drums und einem Stagepiano lässt sich nichts und niemand mit Omnia vergleichen. Intensität, Spielfreude, Magie, Botschaft, Spaß. All das kommt an und mac ht „Live On Earth“ zu meinem Album des Jahres…

Apropos Botschaft: Bei Omnia muss man sehr aufpassen, denn Steve ist ein Verführer. Er kocht Hirne weich und  zerstört mitunter Weltbilder. Ob man will oder nicht. Und egal, ob man die Neu-Heidnische Religion mag oder nicht, Omnia propagieren einen wirklich alternativen Lebensstil. Und im Gegensatz zu den meisten Clowns, die ich so kennengelernt habe, meinen sie es wirklich ernst.

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Corvus Corax „Cantus Buranus II“ (CD)

Neoklassik, Pathos mit Tröte und Schalmey
Cantus Buranus II
Cantus Buranus II

Der Kolkrabe ist nicht nur einer der intelligentesten Vögel überhaupt, er ist auch noch der größte Singvogel der Welt. Von ihm borgte sich die Mittelalter-Spielmanns-Gruppe Corvus Corax einst ihren wunderbaren Namen und schwingt sich gerade ebenso in die Gefilde weiterer Superlative auf. Den Titel „Könige der Spielleute“ hat die Combo zurecht seit Jahren inne, hat sie doch das bis dato eher staubige Feld der Mittelalter-Musik durch ihre  eigenwillige, kraftvolle Interpretation wieder urbar gemacht  und  mit Klasse, Spielfreude und viel Perkussiva den immer noch anhaltenden Mittelalter-Boom ausgelöst.

Als Corvus Corax haben sie das Spiel jener alten, fast vergessenen Musik revolutioniert und blieben damit bis heute unerreicht. Als Tanzwut haben die selben Musiker jenes klingende Mittelalter mit Rock und Metal- Elementen angereichert und waren eine der ersten Mittelalter-Rock Gruppen.

Ihre neues Projekt übertrifft diese beiden Welten allerdings  noch einmal in Umfang und Resonanz, hatten sich Corvus Corax doch in den Kopf gesetzt, Texte der „Carmina Burana“ neu zu vertonen… mit Dudelsäcken, allerlei exotischem Instrumentarium, vielen Trommeln, großem Chor und Orchester.

„Cantus Buranus“ war dann auch live und konserviert ein umwerfendes Erlebnis. Und mit ihrer neuen CD „Cantus Buranus II“ wird  Corvus Corax wohl noch mehr Leute erreichen, als sie das schon mit dem ersten Teil der Umsetzung der alten Texte getan haben, derer sich einst schon Carl Orff bediente. Damit erschöpft sich aber auch schon die Gemeinsamkeit mit der berühmten „Carmina Burana“, mal abgesehen davon, dass die Spielleute durchaus mit ihren Kompositionen die Qualität des berühmten Neo-Klassik-Werkes erreichen.

Dabei ist der zweite Teil von  „Cantus Buranus“ alles andere als eingängig und mit Mittelalter hat er höchstens noch etwas im Orff´schen Sinn zu tun. Die Arrangements, voller Stimmungs- und Tempowechsel, mit Streichern, Chören, einem hörbar teuren Tenor und einem ebenso ergreifenden Sopran, erinnern an die Sternstunden der bombastischen Filmmusik millionenschwerer Hollywood Produktionen… nur eben in Schnabelschuhen mit Schellen.

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OMNIA „Alive“ (CD)

Omnia "Alive!"
Omnia "Alive!"

Als OMNIA mit „Live Religion“ die einmalige Atmosphäre eines ihrer Konzerte auf CD veröffentlichten, war ich ihrem Treiben schon rettungslos verfallen. Als sie dann mit „Pagan Folk“ in die Liga professioneller Aufnahmen stiegen, eroberten ihre Lieder 2006 auch die gothischen Tanzflure, allen voran „Etrezomp-ni Kelted“. Dessen Präsenz bei meinen Parties konnte nicht einmal die „Cybershaman“ EP mit Club- Remixes diverser Omnia- Lieder erreichen, mit denen das Quartett in die Clubs wollte/sollte… Auf dem neuen Studioalbum „Alive!“ ist dann auch wieder alles so, wie es sein soll. Keine Beats, keine Loops, dafür jede Menge Atmosphäre, eine unglaubliche Intensität und … ja… Magie…

Musikalisch bewegen sich OMNIA damit einmal mehr allein auf weiter Flur. Ihr Zusammenspiel ist unkopierbar und über jeden Zweifel erhaben. Dabei haben die vier Musikanten viele Gesichter, allein Joe King Hennon beschränkt sich auf ein konstant brillantes Gitarrenspiel bei allen neun Liedern. Die anderen drei wechseln wild ihre Instrumente. Jenny Evans van der Harten spielt, neben keltischer Harfe und Hurdy Gurdy, auch wieder diverse Perkussiva (einschließlich zweier Teelöffel aus der Küche)- und Steve Sic Evans van der Harten diverse Saiteninstrumente, Drums und Flöten, während Luka, der Mann für die tiefen Töne, seine unverkennbaren Slideridoos erklingen läßt. Gesanglich harmonieren die drei ebenfalls auf eine unnachahmliche Art. Als Gast hat sich einmal mehr, als Freund der Band, Oliver Satyr von Faun auf der Platte verewigt. Daß ihm der Song Nummer sieben gewidmet sein soll, ist allerdings nur ein Gerücht… Außer ihm ist noch Qntal- Multiinstrumentalist Michael Popp an einer Sitar und ein bulgarischer Perkussionist zu hören.

Mit „Wytches Brew“ wird gleich zu Beginn eine unglaubliche Spielfreude vermittelt. Textlich zitiert man aus Shakespeares Macbeth… um dann, am Höhepunkt des diabolischen Tanzens in das große schwarze Loch einer der bekanntesten englischsprachigen Balladen zu fallen, denn Lied Nummer 2 ist ein sehr intensive, neunminütige Vertonung des Edgar Alan Poe Klassikers „The Raven“ und für mich das großartigste Stück dieser CD. Steve Sic ist ein so eindringlicher Rezitator, daß einem auch beim wiederholten Hören des Liedes immer wieder ein Schauer über den Rücken läuft. In ewiger Traurigkeit, am tiefsten Punkt aller erdenklicher Emotionen angekommen, geht es fast übergangslos wieder in einen energiegeladenen Freudentaumel über, den das titelgebende Stück „Alive!“ entfacht. Jenes „Can you feel alive today?“ beendet eine emotionale Achterbahnfahrt, die alle erdenklichen Höhen und Tiefen menschlichen Empfindens in nur drei Liedern auzuloten vermochte. Somit könnten Omnia danach machen was sie wollen, schließlich haben die meisten Bands weit weniger als drei Hits auf einem Album… jedoch liefert das überwiegend in den Niederlanden wohnende Quartett bis zum letzten Ton konstant hochwertige Folklore ab, die sich verschiedenster Traditionals bedient und diverse Mythen auferstehen läßt, wobei sich die Band weder auf die mittelalterliche Epoche noch auf irgendein anderes Klischee festlegen lassen will.

Mit „Fairy Tale“ huldigen sie beispielsweise Lewis Carroll, dem Schöpfer von „Alice in Wonderland“ während „Richard Parkers Fancy“ die irische Musik mit paganischem Zauber verschmelzen läßt. Wie schon beim Bonus Track „Sidhenearlahi Set“ auf der „Pagan Folk“CD vermag es Steve Sic, sich und den Zuhörer in viel zu kurzer Zeit in Rage zu spielen. Sein Flötenspiel stellt auch live das eines Ian Anderson weit in den Schatten, auch wenn das Jethro Tull Fans vielleicht anders sehen…

Aber gerade jenes Leben, was Omnia führen und propagieren es ist alles andere als ein Wettbewerb. Es ist erfüllt von Lebensfreude, Respekt vor den Dingen und Nichtdingen, ist naturverbunden und nicht zuletzt auch sehr engagiert (so als Gegenteil von politisch)… Das Wichtigste in Omnias Botschaft ist dabei nicht die Verlautbarung, sondern ihre unnachahmlichen „Yeahs! Yeahs!“, ein vorgelebtes „Aus- sich-herauskommen,“ oder „In-sich-hineinschauen“.

Für die vielen Zeichnungen im umfangreichen Booklet konnte Omnia den großen Alan Lee gewinnen, der als Konzept-Zeichner der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ bekannt ist. Das so zu einem wunderbaren Buch gewordene Begleitheft zur CD ist zudem gespickt mit Wegweisern und Anspielungen, mit Botschaften und mit Wissen über Kultur, Literatur und diversen Mythen, daß man dem Gesamtkunstwerk eine fast schon pädagogische Komponente zusprechen kann. Konzeptionell geht es auf „Alive!“ um die Überwindung der Vergänglichkeit durch die Kunst und durch unseren Umgang mit den Erinnerungen an das Vergangene.

In erster Linie ist „Alive!“ aber großartige Folklore heidnischen Ursprungs, qualitativ erhaben über allem schwebend, beseelt vom Geist der Wälder und Mythen und getragen von einer Spiel- und Lebensfreude, die einfach ansteckend ist.

Thomas Manegold 2007

Erscheinungsdatum: 07. 09.2007, Label: Banshee Rec., Audio CD

1. Wytches brew, 2. The raven, 3. Alive!, 4. Were you at the rock?, 5. Richard Parker’s Fancy, 6. The elven lover, 7. Satyrsex, 8. Equinox, 9. Fairy tale

Omnia Webseite

OMNIA „Pagan Folk“ (CD)

PAGAN FOLKOmnia waren schon immer eine Liveband, was soviel bedeutet, daß man sie zumindest einmal gesehen haben muß, um zu erleben, welcher Zauber und welche Anziehungskraft von den Vieren ausgeht. Da spielt es keine Rolle, ob die CD als Erinnerungsträger soundtechnisch etwas dünn ausgefallen ist, wie einst „Crone Of War“ oder ob sie mit nur einem Mikrophon in einer Kirche mitgeschnitten wurde, wie einst „Live Religion“… oder ob alles an Erfahrung, Geld und Zeit reingesteckt wurde, was der Band zur Verfügung stand, wie anno 2006 in vorliegendes Album „Pagan Folk“.

Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten. Was dann, reichlich mit keltischen Ranken verziert, dargeboten wird, mag erstmal exotisch erscheinen, denn in der Tat sehen Omnia eher wie Indianer aus, als wie die Mittelalterleut… und so nach einer halben Stunde fühlt man sich ihnen näher, als dem eigenen Spiegelbild…

Woran das liegt, mag jeder für sich herausfinden, denn alles das, was Omnia jenseits der Musik ausmacht, ist eine sehr unterhaltsam verpackte, wichtige Botschaft über unsere keltischen, matriarchaischen Wurzeln. Sic ist ein Sarkast, wenn er in den Ansagen Römer, Christen und Amerikaner in einen Sack steckt und ihn lächelnd zubindet, wenn er sich in den Schritt faßt und die typische marktschreierische testosterongeschwängerte Ansage führender Mittelaltercombos nachahmt, ohne einen Namen zu bemühen … Weiterlesen „OMNIA „Pagan Folk“ (CD)“

Nicholas Lens „Flamma Flamma“ (CD)

Der Neoklassiker
Flamma Flamma
Flamma Flamma

Das Debüt des Komponisten Nicholas Lens, jenes bombastische Fire Requiem „Flamma Flamma“, begleitete mich seit seiner Veröffentlichung 1994 durch die obscuren Tanznächte. „Flamma Flamma“ ist ein Standardwerk der neo-klassischen Musik und dürfte eine der CDs sein, die ihren Weg durch düstere Tanzgefilde in der Etage begann. Egal ob der Titelsong „Flamma Flamma“, „Sumus vicinae“ oder „Corpus Inimici“ – alle Titel des düster- orchestralen Werkes sind zeitenlose Klassiker mit sehr eigener Instrumentierung, brillanten Solostimmen und satten Chorälen- und die mit Abstand ungewöhnlichsten Tanzflächenfüller in meiner DJ Laufbahn.

„Flamma Flamma“ ist Goettertanz pur, in Glanz und Vollendung nicht zu übertreffen, weder von Carl Orffs „Carmina Burana“ noch von ihrem Schöpfer selbst. Nicholas Lens hatte mit „Flamma Flamma“ seine „Accacha Chronicles“ begonnen, eine Trilogie als eine Suche nach Harmonie, nach Einklang zwischen den sich widerstrebenden Elementen. Einzigartig ist bei „Flamma Flamma“ und seinen Folgewerken die Verschmelzung außereuropäischer Kulturen mit den hohen Tugenden der klassischen Musik, jenes unorthodoxe, was sich auch im inhaltlichen kompromißlos niederschlägt.

„Flamma Flamma“ beschäftigt sich, wie kein zweites Requiem, nicht nur mit Trauer und Schmerz, sondern mit der Vorstellung, daß der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. So wird dem Jenseitigem gehuldigt, ohne es zu verklären, werden die positiven Aspekte des Feuers, wie eben Licht und Wärme gepriesen und sämtliche menschliche Gefühlslagen im Angesicht des Todes thematisiert… über alle philiosophischen und auch musikalischen Grenzen hinweg.

Thomas Manegold 2002

Erscheinungsdatum: 1999, Label: Sony BMG, CD im Digipack
1. Hic iacet l – 2. Hic iacet ll – 3. Sumus vicinae – 4. Tegite specula – 5. Complorate filiae – 6. Vale frater – 7. Amice mi – 8. Corpus inimici – 9. Delicae meae – 10. Flamma flamma – 11. Ave ignis – 12. In corpore – 13. Agnus purus – 14. Ardeat ignis

Wikipedia über Nicholas Lens

Flamma Flamma bei Amazon

GARMARNA- Discographie

Was Corvus Corax für Deutschland, ist wohl GARMARNA für Schweden. Die schwedische Formation drückt, in einer ständigen Entwicklung sich befindend, der alten Musik ihrer Heimat ihren eigenen Stempel auf und adaptiert sie so einmalig. Nun ist eine simple Popvariante eines mittelalterlichen Stückes gleichsam verpöhnt, wie eine rein authentische Darbietung den ehrlich urteilenden Neuzeitler auf Dauer einfach langweilt. Somit macht es auch hier einmal mehr die Mischung und eine erfolgreiche „Überlieferung“ setzt gleichsam handwerkliches Können, Erfurcht, Sachkenntnis und Experimentierfreude voraus. All das ist bei Garmarna zu finden. So entwickeln die, selbst für germanische Ohren, eher scharfkantigen schwedischen Texte einen ureigenen Charme, der einen dauerhaft infiziert, sodaß gerade die ersten Veröffentlichungen der Schweden eine gewisse Zeitlosigkeit auszeichnet. Nebenstehend findest Du nun die offiziell in Deutschland erschienen CDs von GARMARNA. Darüber hinaus sind einige weitere Silberlinge als US Import zu haben.

VITTRAD

Vittrad 1994

Das 1994er Album ist das traditionellste des Quintetts. Ursprünglich, durch die noch sehr jung wirkende Stimme von Emma Härdelin an Frühling und Kindheit erinnernd, verzaubern die Klänge überwiegend akkustischer Instrumente (Violine, Flöten, Maultrommeln, Gitarre, Harfe). Manchmal hat hier die Musik auch noch den spontanen Charakter einer Jam oder einer Runde am Lagerfeuer. Überhaupt ist „Vittrad“ eine Ode an die Wälder und die (nordische) Natur und kommt ohne jeglichen völkischen oder sonstig verklärenden Pathos aus.

Der Titelsong „Vittrad“, das schwungvolle „Antiokia“ und das brachiale, rituelle, von fetten, hypnotischen Gitarrenriffs getragene Instrumental „Klevabergselden“ haben den Weg auf die Playlisten des Goettertanzes gefunden.

1.Straffad Moder & Dotter 2.Garmgny 3.Nämndemans-Ola 4.Kulleritova 5.Vittrad 6.Skallen 7.Flusspolska 8.Antiokia 9.Liten Kersti 10.Inte sörja vi… 11.Domschottis 12.Den Bortsalda 13.Styvmodern 14.Klevabergselden

GUDS SPELEMÄN

Guds Spelemän 1996Die mit dem wunderschönen „Original“ von „Herr Manelig“ eröffnende CD ist für mich das musikalisch stimmigste Album von GARMARNA und zugleich das gitarrenlastigste. Anno 1996 schien die Symbiose von Alt und Neu bei GARMARNA eine gewisse Vollkommenheit erreicht zu haben, denn nichts überwiegt, weder die modernen Einflüsse, noch die des Mittelalters und der nordischen Folklore. Naturverehrung, Mittelaltermystik, düstere Sagenwelten, tragische Lieben … vor allem die dramatischen Seiten des Lebens verschaffen sich hier Gehör, wegen der Gitarren etwas lauter und düsterer, als noch auf „Vittrad“, allerdings immer noch ohne ohne zu „schreien“.

Neben „Herr Mannelig“ waren auch schon „Guds Spelemän“, „Halling fran Makedonien“ und „Njaalkeme“ beim Goettertanz zu hören.

1.Herr Mannelig 2.Vänner och Fränder 3.Halling fran Makedonien 4.Min Man 5.Varulven 6.Hilla Lilla 7.Drew Drusnaar/ Idag som igar 8.Njaalkeme 9.Herr Holger 10.Guds Spelemän

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Mila Mar „Nova“ (CD)

Mila Mar "Nova"
Mila Mar "Nova"

MILA MAR ist ein sogenannter Newcomer. MILA MAR hat große Pläne. Letztendlich haben das alle Newcomer, die den Spießrutenlauf zur regulären Veröffentlichung hinter sich haben. Dem Schreiber ist es Aufgabe und Anreiz, einmal die Perlen aufzuspüren, welche allzuoft, von diversen Schreibtischen aus, wieder vor die Säue geworfen werden oder in Archiven verstauben. Andererseits sind es dann immer die Bands, von denen man es am wenigsten erwartet, die den Durchbruch auf Dauer schaffen oder irgendeinen Ausverkauf überleben.
Bei MILA MAR habe ich das Gefühl, eine Perle in der Hand zu halten, eine Band die auch hartnäckig genug ist und genau weiß, was sie will. Und so ganz nebenbei ist das Potential, daß sich hier in acht Songs und 50 Minuten entfaltet, wahnsinnig groß. Gesangliche Glanzleistungen, exotische Songstrukturen, untypisches Instrumentarium- und eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber typischen „Kollegensätzen“(„So etwas macht man doch nicht!“) kann man heraushören- und Bilder, Bilder, Bilder (wenn man die Augen schließt und sich treiben läßt), namenlose Bilder, die an die schönsten Dead Can Dance- Zeiten erinnern und eindeutig darüber hinaus gehen. Man könnte diese CD nun in die Ethno- Ecke schieben, dort wo mit einer übergroßen Müllhalde von hübsch verhallten synthetischen Melodien ganze Heerscharen von Selbsfindungsgruppen verarscht werden, doch halt, wie war das gleich mit den Perlen??? NOVA ist ein Ritual. Hypnotisierend wird sich MILA MAR in die Herzen derer trommeln, die atmosphärischer Musik noch etwas abgewinnen können, die hören gelernt haben oder gerade lernen. Und wenn schon NOVA in seiner Intensität einer Bewußtseinserweiterung gleichkommt, muß man kein Prophet sein, um MILA MAR eine große Zukunft vorauszusagen.

ToM 1999

Erscheinungsdatum: 1999, Label: Strangeways/ Indigo