GARMARNA- Discographie

Was Corvus Corax für Deutschland, ist wohl GARMARNA für Schweden. Die schwedische Formation drückt, in einer ständigen Entwicklung sich befindend, der alten Musik ihrer Heimat ihren eigenen Stempel auf und adaptiert sie so einmalig. Nun ist eine simple Popvariante eines mittelalterlichen Stückes gleichsam verpöhnt, wie eine rein authentische Darbietung den ehrlich urteilenden Neuzeitler auf Dauer einfach langweilt. Somit macht es auch hier einmal mehr die Mischung und eine erfolgreiche „Überlieferung“ setzt gleichsam handwerkliches Können, Erfurcht, Sachkenntnis und Experimentierfreude voraus. All das ist bei Garmarna zu finden. So entwickeln die, selbst für germanische Ohren, eher scharfkantigen schwedischen Texte einen ureigenen Charme, der einen dauerhaft infiziert, sodaß gerade die ersten Veröffentlichungen der Schweden eine gewisse Zeitlosigkeit auszeichnet. Nebenstehend findest Du nun die offiziell in Deutschland erschienen CDs von GARMARNA. Darüber hinaus sind einige weitere Silberlinge als US Import zu haben.

VITTRAD

Vittrad 1994

Das 1994er Album ist das traditionellste des Quintetts. Ursprünglich, durch die noch sehr jung wirkende Stimme von Emma Härdelin an Frühling und Kindheit erinnernd, verzaubern die Klänge überwiegend akkustischer Instrumente (Violine, Flöten, Maultrommeln, Gitarre, Harfe). Manchmal hat hier die Musik auch noch den spontanen Charakter einer Jam oder einer Runde am Lagerfeuer. Überhaupt ist „Vittrad“ eine Ode an die Wälder und die (nordische) Natur und kommt ohne jeglichen völkischen oder sonstig verklärenden Pathos aus.

Der Titelsong „Vittrad“, das schwungvolle „Antiokia“ und das brachiale, rituelle, von fetten, hypnotischen Gitarrenriffs getragene Instrumental „Klevabergselden“ haben den Weg auf die Playlisten des Goettertanzes gefunden.

1.Straffad Moder & Dotter 2.Garmgny 3.Nämndemans-Ola 4.Kulleritova 5.Vittrad 6.Skallen 7.Flusspolska 8.Antiokia 9.Liten Kersti 10.Inte sörja vi… 11.Domschottis 12.Den Bortsalda 13.Styvmodern 14.Klevabergselden

GUDS SPELEMÄN

Guds Spelemän 1996Die mit dem wunderschönen „Original“ von „Herr Manelig“ eröffnende CD ist für mich das musikalisch stimmigste Album von GARMARNA und zugleich das gitarrenlastigste. Anno 1996 schien die Symbiose von Alt und Neu bei GARMARNA eine gewisse Vollkommenheit erreicht zu haben, denn nichts überwiegt, weder die modernen Einflüsse, noch die des Mittelalters und der nordischen Folklore. Naturverehrung, Mittelaltermystik, düstere Sagenwelten, tragische Lieben … vor allem die dramatischen Seiten des Lebens verschaffen sich hier Gehör, wegen der Gitarren etwas lauter und düsterer, als noch auf „Vittrad“, allerdings immer noch ohne ohne zu „schreien“.

Neben „Herr Mannelig“ waren auch schon „Guds Spelemän“, „Halling fran Makedonien“ und „Njaalkeme“ beim Goettertanz zu hören.

1.Herr Mannelig 2.Vänner och Fränder 3.Halling fran Makedonien 4.Min Man 5.Varulven 6.Hilla Lilla 7.Drew Drusnaar/ Idag som igar 8.Njaalkeme 9.Herr Holger 10.Guds Spelemän

VEDERGÄLLNINGEN

Vedergällningen 1999

Immer noch ist es die nordische Folklore, die GARMARNA beeinflußt, immer noch ist es das miteinander der unterschiedlichen Einflüsse und die grandiose Stimme von Frontfrau Emma Härdelin, allerdings schlägt schon das erste Lied „Gamen“ eine neues, elektronischeres Kapitel der Band auf. Alles in Allem stellt sich bei Drum`n`Bass Elementen, Breakbeats und poppigen Ausflügen die Frage, ob das Quintett nun bewußt die moderne Welt, genauer gesagt, die Clubs der Metropolen und die Pop Charts, anvisiert oder ob „Vedergällningen“ nicht doch eine konsequente und logische Weiterentwicklung ist. GARMARNA sind 1999 vielleicht etwas zwiespältig für den frühen Verehrer geworden, trotzdem ist das (regulär) dritte Album sicherlich das wichtigste der Band gewesen und die bessere Alternative- zur möglichen Selbstkopie und zu zahlreichen MedievalXover Auswüchsen diesseits und jenseits des Weißwurstäquators.

Allen voran das Titelstück „Vedergällningen“ zeigt, wie weit  die Band jedwedem musiklaischen Trend inzwischen vorausgeeilt ist…

Gamen (The Vulture) Euchari Halling Jåron Vedergällningen (Vengeance) Nio år (Nine Years) Sorgsen ton (Woeful tone) Herr Holkin Bläck (Ink) Polska Brun (Robber Brun)

HILDEGRAD VON BINGEN

Hildegard von Bingen 2001

Frühling 2001. Man mag im Anbetracht des Titels auf eine Rückbesinnung warten… vergeblich. Zwar haben schon sehr viele Künstler das musikalische Werk der Benediktinerin Hildegard von Bingen interpretiert, aber bestimmt noch niemand so, wie GARMARNA. Nach der „Vedergällingen“ CD gehört, erscheint diese Platte logisch, nach den Maßstäben der anderen Hildegard von Bingen- CDs, die ich so kenne, ist diese Bearbeitung, mit zum Teil wuchtigen Beats und fetten Streichern, sehr radikal ausgefallen. Stellenweise ist das nicht nur für den Puristen zuviel … was aber einem Grenzgang gleichkommt, den man innovativen Künstlern einfach zugestehen muß.

1.Euchari 2.Viridissima Virga 3.Salvatoris 4.O Frondens Virga 5.Unde Quocomque 6.O Vis Aeternitatis 7.Virga Ac Diadema 8.Paso 9.Kyrie

Anno 2002 warte ich gespannt auf ein neues Lebenszeichen von GARMARNA und möchte dem Interessenten nach dieser kleinen Discographie die genannten GARMARNA CDs wirklich alle, und zwar chronologisch ans Herz legen, denn so kann man auch Dinge, die die eigene Toleranzgrenze etwas überschreiten, durchaus nachvollziehen, ja miterleben. GARMARNA ist mittlerweile ein immer noch zwischen allen Welten wandelnder Exportschlager geworden. Die Gruppe hat es verstanden, jenseits aller Trends sich unablässig zu entwickeln, zeitlose Akzente zu setzen und ist somit vom ersten verewigten Ton an ein anbetungswürdiges Original, nicht zuletzt wegen der glockenklaren, wunderbaren Stimme, die GARMARNA einen hohen Wiedererkennungswert beschert und bei aller stilistischen Vielfalt bewahrt. Sängerin EMMA HÄRDELIN ist außerdem noch mit dem akkustischen Projekt TRIAKEL beschäftigt, welches ich besonders denen empfehlen möchte, die das Frühwerk „Vittrad“ bevorzugen. Jedoch sehe ich den eigentlichen „Verdienst“ dieser außergewöhnlichen Band darin, dass sie die Vorreiter einer neuer Form des Crossovers sind, der später auch Bands wie Valravn hervorgebracht hat.

ToM (2002)

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Autor: Silbenstreif

Silbenstreif Label und Studio Berlin

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