Corvus Corax „Cantus Buranus II“ (CD)

Neoklassik, Pathos mit Tröte und Schalmey
Cantus Buranus II
Cantus Buranus II

Der Kolkrabe ist nicht nur einer der intelligentesten Vögel überhaupt, er ist auch noch der größte Singvogel der Welt. Von ihm borgte sich die Mittelalter-Spielmanns-Gruppe Corvus Corax einst ihren wunderbaren Namen und schwingt sich gerade ebenso in die Gefilde weiterer Superlative auf. Den Titel „Könige der Spielleute“ hat die Combo zurecht seit Jahren inne, hat sie doch das bis dato eher staubige Feld der Mittelalter-Musik durch ihre  eigenwillige, kraftvolle Interpretation wieder urbar gemacht  und  mit Klasse, Spielfreude und viel Perkussiva den immer noch anhaltenden Mittelalter-Boom ausgelöst.

Als Corvus Corax haben sie das Spiel jener alten, fast vergessenen Musik revolutioniert und blieben damit bis heute unerreicht. Als Tanzwut haben die selben Musiker jenes klingende Mittelalter mit Rock und Metal- Elementen angereichert und waren eine der ersten Mittelalter-Rock Gruppen.

Ihre neues Projekt übertrifft diese beiden Welten allerdings  noch einmal in Umfang und Resonanz, hatten sich Corvus Corax doch in den Kopf gesetzt, Texte der „Carmina Burana“ neu zu vertonen… mit Dudelsäcken, allerlei exotischem Instrumentarium, vielen Trommeln, großem Chor und Orchester.

„Cantus Buranus“ war dann auch live und konserviert ein umwerfendes Erlebnis. Und mit ihrer neuen CD „Cantus Buranus II“ wird  Corvus Corax wohl noch mehr Leute erreichen, als sie das schon mit dem ersten Teil der Umsetzung der alten Texte getan haben, derer sich einst schon Carl Orff bediente. Damit erschöpft sich aber auch schon die Gemeinsamkeit mit der berühmten „Carmina Burana“, mal abgesehen davon, dass die Spielleute durchaus mit ihren Kompositionen die Qualität des berühmten Neo-Klassik-Werkes erreichen.

Dabei ist der zweite Teil von  „Cantus Buranus“ alles andere als eingängig und mit Mittelalter hat er höchstens noch etwas im Orff´schen Sinn zu tun. Die Arrangements, voller Stimmungs- und Tempowechsel, mit Streichern, Chören, einem hörbar teuren Tenor und einem ebenso ergreifenden Sopran, erinnern an die Sternstunden der bombastischen Filmmusik millionenschwerer Hollywood Produktionen… nur eben in Schnabelschuhen mit Schellen.

Die orchestrale Neuvertonung der mittelalterlichem Liederschrift „Carmina Burana“ ist eine gewagte Verbindung aus Modere und Mittelaltermusik. Aber beides liegt abseits vom ständig Gewohnten und hat damit wieder einen gemeinsamen Nenner. Flächige Streicher und trommelndes Schlagwerk, Oboen und Dudelsäcke, Sopran und Mönchsgesänge, bei Cantus Buranus wird alles eins.

Corvus Corax und das Filmorchester Babelsberg experimentieren auf „Cantus Buranus II “ zudem mit Disharmonien, mit zuweilen intensiven düsteren Stimmungen… und mit geradezu ewigdauernden atonal, arhythmisch pointierten Chorpassagen. Hier fragt man sich zwischenzeitlich, weil doch das Zusammenspiel der Instrumente so toll durcharrangiert wurde, die Produktion hörbar teuer war und die Sänger wirklich singen können, warum gerade an so etwas aerischen, wie einer Melodie für den Chor gespart wurde. Bei den Streichern und den Sackpfeifen hat es doch schließlich auch funktioniert…

Doch gerade weil einige Passagen so befremdlich, düster, eigenwillig und schräg klingen, glänzen die Melodien und eingänigen Rhythmen wie verführerisches Glitzerzeug vor einer Elster. Man muss sie einfach (im Ohr) haben. Und schließlich entdeckt man beim mehrmaligen Hören immer neue Aspekte, andere musikalische Themen, die wieder aufgenommen werden, vom Vordergrund in den Hintergrund treten und umgekehrt.

Und genau diese Liebe zum Detail, zum spielerischen Umgang innerhalb dieses unglaublich großen Konzeptes macht diese Platte monumental und zeitlos und eben nicht zu einem zweiten Aufguss des erfolgreichen Erstlings. „Cantus Buranus II“ ist ein konsequentes, zuweilen kompromissloses Beschreiten eines neuen Weges, den die Könige der Spielleute mit dem ersten Teil einschlugen und es gelingt ihnen tatsächlich damit das Unmögliche, nämlich den ersten Teil zu übertreffen…

Marion Müller & Thomas Manegold 2008

Cantus Buranus II (Ltd.Erstauflage) von Corvus Corax (Künstler), Ingeborg Schöpf (Sopran) (Künstler), Klaus Lothar Peters (Tenor) (Künstler), Bernhard Fabuljan (Dirigent), Deutsches Filmorchester Babelsberg (Orchester)

Live @Wacken 2008

Links:

CORVUS CORAX

CANTUS BURANUS

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Autor: Silbenstreif

Silbenstreif Label und Studio Berlin

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