Omnia „Saltatio Vita“ live

Omnia beschenken sich und die Welt. Zu Jennys Geburtstag gibts auf You Tube ein weiteres amtliches Video von der „I Don´t Speak Human“ Tour. Das Stück „Saltatio Vita“ ist in dieser Version auch auf der „Live On Earth“ CD enthalten. Einfach der Wahnsinn.

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OMNIA „Live On Earth“

OMNIA: Live On Earth
OMNIA: Live On Earth

Seitdem Omnia 2006/2007 mit den Alben „Pagan Folk“ und „Alive“ endlich auch für ein größeres Publikum zum „Nonplusultra“ akustischer Liveperformance avancierte, ist unglaublich viel passiert. Sie haben vielversprechende Plattendeals wieder ausgeschlagen und mit extravganten musikalischen Experimenten auf den Alben „Wolf Love“ und „Musick & Poetree“ nicht nur ihre Fans vor den Kopf gestoßen. Und die Besetzung um Steve und Jenny wechselte eine zeitlang atemberaubend schnell. Als 2010 Mitbegründer Luka die Band verließ, war Trauer angesagt, denn der Hühne hat nicht nur mit seinem unnachahmlichen Didgeridoo-Spiel die Band maßgeblich geprägt. Jahrzehntelang Folk´n´Roll hinterlässt Spuren. Und die Welt ist verwöhnt, sie verzeiht nie, weder Änderungen noch Entgleisungen und sie reagiert empfindlich, wenn erfolgreiche Rezepte verändert werden… Und so haben Country- und Hip-Hop-Avancen und Jennys souveräner Schwenk von der keltischen Harfe hin zum Piano die Menschen irritiert. Auch die extremen fröhlichen Ausflüge in die seichten Gewässer der Pop-Musik waren für manche gewöhnungsbedürftig…

Doch eine Band, die sich ändert, ist lebendig. Und Omnia haben schon immer gemacht, was sie wollten und sich um Genre und Schubladen einen Dreck geschert… Und wie zum Beweis ist „Live On Earth“ dann auch der emotionale Kracher, der alte und neue Songs und jede noch so schmerzhafte Veränderung in den unvergleichlichen Omnia Kosmos integriert. Die in ihren Studioversionen doch etwas sperrig wirkenden Sachen, wie „Niiv“ und vor allem „I Don´t Speak Human“ wirken erst in dieser Live-Interpretation wirklich fertig. Omnia geben Gas, machen mehr Druck und fügen ihrem Pagan Folk nun völlig berechtigt ein trotziges ROCK hinzu.

Eines der wichtigsten Lieder meines Lebens,  „The Sheenearlahi Set“, hat mich dann auch erneut wieder umgehauen. Das Stück ist als Bonus Track auf der CD „Pagan Folk“ enthalten und zeigt in der neuen Version, was sich in dieser Zeit alles in dieser Band verändert hat. Es gelingt Omnia tatsächlich, da noch eins draufzusetzen. Zwar trägt die nunmehr exzellente Produktion maßgeblich dazu bei, dass dieses Album wirklich rockt, doch das gelingt Omnia immer noch ohne Bratgitarre und Potenzgeschrei. Auch mit konventionellen Drums und einem Stagepiano lässt sich nichts und niemand mit Omnia vergleichen. Intensität, Spielfreude, Magie, Botschaft, Spaß. All das kommt an und mac ht „Live On Earth“ zu meinem Album des Jahres…

Apropos Botschaft: Bei Omnia muss man sehr aufpassen, denn Steve ist ein Verführer. Er kocht Hirne weich und  zerstört mitunter Weltbilder. Ob man will oder nicht. Und egal, ob man die Neu-Heidnische Religion mag oder nicht, Omnia propagieren einen wirklich alternativen Lebensstil. Und im Gegensatz zu den meisten Clowns, die ich so kennengelernt habe, meinen sie es wirklich ernst.

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OMNIA „Alive“ (CD)

Omnia "Alive!"
Omnia "Alive!"

Als OMNIA mit „Live Religion“ die einmalige Atmosphäre eines ihrer Konzerte auf CD veröffentlichten, war ich ihrem Treiben schon rettungslos verfallen. Als sie dann mit „Pagan Folk“ in die Liga professioneller Aufnahmen stiegen, eroberten ihre Lieder 2006 auch die gothischen Tanzflure, allen voran „Etrezomp-ni Kelted“. Dessen Präsenz bei meinen Parties konnte nicht einmal die „Cybershaman“ EP mit Club- Remixes diverser Omnia- Lieder erreichen, mit denen das Quartett in die Clubs wollte/sollte… Auf dem neuen Studioalbum „Alive!“ ist dann auch wieder alles so, wie es sein soll. Keine Beats, keine Loops, dafür jede Menge Atmosphäre, eine unglaubliche Intensität und … ja… Magie…

Musikalisch bewegen sich OMNIA damit einmal mehr allein auf weiter Flur. Ihr Zusammenspiel ist unkopierbar und über jeden Zweifel erhaben. Dabei haben die vier Musikanten viele Gesichter, allein Joe King Hennon beschränkt sich auf ein konstant brillantes Gitarrenspiel bei allen neun Liedern. Die anderen drei wechseln wild ihre Instrumente. Jenny Evans van der Harten spielt, neben keltischer Harfe und Hurdy Gurdy, auch wieder diverse Perkussiva (einschließlich zweier Teelöffel aus der Küche)- und Steve Sic Evans van der Harten diverse Saiteninstrumente, Drums und Flöten, während Luka, der Mann für die tiefen Töne, seine unverkennbaren Slideridoos erklingen läßt. Gesanglich harmonieren die drei ebenfalls auf eine unnachahmliche Art. Als Gast hat sich einmal mehr, als Freund der Band, Oliver Satyr von Faun auf der Platte verewigt. Daß ihm der Song Nummer sieben gewidmet sein soll, ist allerdings nur ein Gerücht… Außer ihm ist noch Qntal- Multiinstrumentalist Michael Popp an einer Sitar und ein bulgarischer Perkussionist zu hören.

Mit „Wytches Brew“ wird gleich zu Beginn eine unglaubliche Spielfreude vermittelt. Textlich zitiert man aus Shakespeares Macbeth… um dann, am Höhepunkt des diabolischen Tanzens in das große schwarze Loch einer der bekanntesten englischsprachigen Balladen zu fallen, denn Lied Nummer 2 ist ein sehr intensive, neunminütige Vertonung des Edgar Alan Poe Klassikers „The Raven“ und für mich das großartigste Stück dieser CD. Steve Sic ist ein so eindringlicher Rezitator, daß einem auch beim wiederholten Hören des Liedes immer wieder ein Schauer über den Rücken läuft. In ewiger Traurigkeit, am tiefsten Punkt aller erdenklicher Emotionen angekommen, geht es fast übergangslos wieder in einen energiegeladenen Freudentaumel über, den das titelgebende Stück „Alive!“ entfacht. Jenes „Can you feel alive today?“ beendet eine emotionale Achterbahnfahrt, die alle erdenklichen Höhen und Tiefen menschlichen Empfindens in nur drei Liedern auzuloten vermochte. Somit könnten Omnia danach machen was sie wollen, schließlich haben die meisten Bands weit weniger als drei Hits auf einem Album… jedoch liefert das überwiegend in den Niederlanden wohnende Quartett bis zum letzten Ton konstant hochwertige Folklore ab, die sich verschiedenster Traditionals bedient und diverse Mythen auferstehen läßt, wobei sich die Band weder auf die mittelalterliche Epoche noch auf irgendein anderes Klischee festlegen lassen will.

Mit „Fairy Tale“ huldigen sie beispielsweise Lewis Carroll, dem Schöpfer von „Alice in Wonderland“ während „Richard Parkers Fancy“ die irische Musik mit paganischem Zauber verschmelzen läßt. Wie schon beim Bonus Track „Sidhenearlahi Set“ auf der „Pagan Folk“CD vermag es Steve Sic, sich und den Zuhörer in viel zu kurzer Zeit in Rage zu spielen. Sein Flötenspiel stellt auch live das eines Ian Anderson weit in den Schatten, auch wenn das Jethro Tull Fans vielleicht anders sehen…

Aber gerade jenes Leben, was Omnia führen und propagieren es ist alles andere als ein Wettbewerb. Es ist erfüllt von Lebensfreude, Respekt vor den Dingen und Nichtdingen, ist naturverbunden und nicht zuletzt auch sehr engagiert (so als Gegenteil von politisch)… Das Wichtigste in Omnias Botschaft ist dabei nicht die Verlautbarung, sondern ihre unnachahmlichen „Yeahs! Yeahs!“, ein vorgelebtes „Aus- sich-herauskommen,“ oder „In-sich-hineinschauen“.

Für die vielen Zeichnungen im umfangreichen Booklet konnte Omnia den großen Alan Lee gewinnen, der als Konzept-Zeichner der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ bekannt ist. Das so zu einem wunderbaren Buch gewordene Begleitheft zur CD ist zudem gespickt mit Wegweisern und Anspielungen, mit Botschaften und mit Wissen über Kultur, Literatur und diversen Mythen, daß man dem Gesamtkunstwerk eine fast schon pädagogische Komponente zusprechen kann. Konzeptionell geht es auf „Alive!“ um die Überwindung der Vergänglichkeit durch die Kunst und durch unseren Umgang mit den Erinnerungen an das Vergangene.

In erster Linie ist „Alive!“ aber großartige Folklore heidnischen Ursprungs, qualitativ erhaben über allem schwebend, beseelt vom Geist der Wälder und Mythen und getragen von einer Spiel- und Lebensfreude, die einfach ansteckend ist.

Thomas Manegold 2007

Erscheinungsdatum: 07. 09.2007, Label: Banshee Rec., Audio CD

1. Wytches brew, 2. The raven, 3. Alive!, 4. Were you at the rock?, 5. Richard Parker’s Fancy, 6. The elven lover, 7. Satyrsex, 8. Equinox, 9. Fairy tale

Omnia Webseite

OMNIA „Pagan Folk“ (CD)

PAGAN FOLKOmnia waren schon immer eine Liveband, was soviel bedeutet, daß man sie zumindest einmal gesehen haben muß, um zu erleben, welcher Zauber und welche Anziehungskraft von den Vieren ausgeht. Da spielt es keine Rolle, ob die CD als Erinnerungsträger soundtechnisch etwas dünn ausgefallen ist, wie einst „Crone Of War“ oder ob sie mit nur einem Mikrophon in einer Kirche mitgeschnitten wurde, wie einst „Live Religion“… oder ob alles an Erfahrung, Geld und Zeit reingesteckt wurde, was der Band zur Verfügung stand, wie anno 2006 in vorliegendes Album „Pagan Folk“.

Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten. Was dann, reichlich mit keltischen Ranken verziert, dargeboten wird, mag erstmal exotisch erscheinen, denn in der Tat sehen Omnia eher wie Indianer aus, als wie die Mittelalterleut… und so nach einer halben Stunde fühlt man sich ihnen näher, als dem eigenen Spiegelbild…

Woran das liegt, mag jeder für sich herausfinden, denn alles das, was Omnia jenseits der Musik ausmacht, ist eine sehr unterhaltsam verpackte, wichtige Botschaft über unsere keltischen, matriarchaischen Wurzeln. Sic ist ein Sarkast, wenn er in den Ansagen Römer, Christen und Amerikaner in einen Sack steckt und ihn lächelnd zubindet, wenn er sich in den Schritt faßt und die typische marktschreierische testosterongeschwängerte Ansage führender Mittelaltercombos nachahmt, ohne einen Namen zu bemühen … Weiterlesen „OMNIA „Pagan Folk“ (CD)“