OMNIA „Pagan Folk“ (CD)

PAGAN FOLKOmnia waren schon immer eine Liveband, was soviel bedeutet, daß man sie zumindest einmal gesehen haben muß, um zu erleben, welcher Zauber und welche Anziehungskraft von den Vieren ausgeht. Da spielt es keine Rolle, ob die CD als Erinnerungsträger soundtechnisch etwas dünn ausgefallen ist, wie einst „Crone Of War“ oder ob sie mit nur einem Mikrophon in einer Kirche mitgeschnitten wurde, wie einst „Live Religion“… oder ob alles an Erfahrung, Geld und Zeit reingesteckt wurde, was der Band zur Verfügung stand, wie anno 2006 in vorliegendes Album „Pagan Folk“.

Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten. Was dann, reichlich mit keltischen Ranken verziert, dargeboten wird, mag erstmal exotisch erscheinen, denn in der Tat sehen Omnia eher wie Indianer aus, als wie die Mittelalterleut… und so nach einer halben Stunde fühlt man sich ihnen näher, als dem eigenen Spiegelbild…

Woran das liegt, mag jeder für sich herausfinden, denn alles das, was Omnia jenseits der Musik ausmacht, ist eine sehr unterhaltsam verpackte, wichtige Botschaft über unsere keltischen, matriarchaischen Wurzeln. Sic ist ein Sarkast, wenn er in den Ansagen Römer, Christen und Amerikaner in einen Sack steckt und ihn lächelnd zubindet, wenn er sich in den Schritt faßt und die typische marktschreierische testosterongeschwängerte Ansage führender Mittelaltercombos nachahmt, ohne einen Namen zu bemühen …

Das alles verursacht auch nachhaltig ein wohliges Gefühl des Dazugehörens und der Begeisterung in mir und genau daß wird jene „Pagan Folk“ CD auch in 10 Jahren noch in mir heraufbeschwören können. Mehr noch, denn erstmals gibt es eine Omnia CD, die auch gänzlich ohne das Liveerlebnis funktioniert, reicht sie doch in ihrem Sound an den hohen digitalen Standard heran, den unsere Ohren mittlerweile gewöhnt sind. Brillant und zugleich druckvoll, wie Fauns „Renaissance“, setzt sie sogar Maßstäbe in der Konservierung authentischer Musik, was sicherlich dem Fortress Studio in Amsterdam zu einer entsprechenden Auftragsschwämme verhelfen wird.

Doch kein Tonmeister kann das je ersetzen, was dieses Quartett ausmacht. Die Mischung aus Lukas selbst gebauten Multi-Tone-„Slideridoos“ , Jennys Harfenspiel und Sics wunderbarem Umgang mit Flöten und Saiteninstrumenten sind unglaubliche intensive Erkennungsmerkmale. Hinzu kommt ein filigranes, souveränes Gitarrenspiel von Joe King Hennon und diverse Perkussiva, die man ohne das nötige „Feuer“ niemals so spielen kann. Diese Melange verleiht den typischen Omnia Gesängen gewissermaßen Flügel. Diese Band hat also jene Gabe, aus dem perfekten Zusammenspiel der einzelnen Musiker etwas grundlegend Neues zu erschaffen, daß eben mehr ist, als nur modern aufbereitete Volksmusik.

Auch optisch läßt das nunmehr sechste Werk von OMNIA keine Wünsche offen. (wobei nur die letzten drei OMNIA so präsentieren, wie wir sie heute kennen.) Besonders Sics abschließende Botschaft „Welcome To the 3rd Millennium“ sei allen Menschen ans Herz gelegt. Das Quartett leistet also Kulturarbeit, denn es vereint Musikanten aus Neuseeland, den Niederlanden und Irland und deren Traditionen mit jenen Musiken, die das bunte Europa einst ausmachten. So weigert sich Omnia hartnäckig, irgendein Klischee zu erfüllen, ohne allerdings auf die mitunter seltsamen Auswüchse unseres verkümmerten Verständnisses von Magie und heidnischer Vergangenheit mit Nachsicht zu reagieren, ist doch ein „ODIN“ brüllender Met- Vertilger immer noch besser als ein „OLEE“ brüllender Fußballfan.

So laßt uns also den neuen alten Klängen lauschen, die uns einen Eindruck vermitteln vom Spirit ins uns allen, den niemand verbrennen kann, weil er selbst das Feuer ist, daß immer noch in den Herzen lodert, egal ob bei den „Pagans“ des Amazonas, denen vom Victoria River oder vom Rhein.

Thomas Manegold

Erscheinungsdatum: 28. 04.2006, Label: Banshee Rec., Audio CD
Tine Bealtaine, The Well, Pagan Polska, En Avant Blonde, Etrezomp-ni Kelted, Teutates, Twa Corbiez, An Dro, Lughnasadh, Dil Gaya, Sidhenearlahi Set

Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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