Faun: „Back To Nature“ (Interview)

FAUN

Mit TOTEM überraschte uns die Münchner Gruppe Faun mit einigen neuen Einflüssen und einer insgesamt düsteren Grundstimmung. Die Paganfolk-Band hat natürlich eine mystische Aura, aber bislang waren sie auch bei ihren Liveauftritten eher für die gute Laune diesseits und jenseits der mittelalterlichen Musik zuständig. Ein Interview ist ja fast schon so was wie ein Heimspiel für die Band. Bereits drei Mal spielte FAUN bisher im Top Act Zapfendorf und auch sonst macht die Chefredaktion keinen Hehl daraus, mit Haut und Haar jenem ominösen Geklang mit Namen Paganfolk oder Neocelt verfallen zu sein, wobei ja im Klangkosmos der Faune schon immer eine sehr eigene Art von Crossover für frischen Wind sorgte. Jasmin zog aus, neues und altes über Faun zu erkunden und sprach mit Oliver Satyr.

subKULTUR: Eure bisherigen CDs laden stets zu einer thematischen (Klang) Reise ein – im Booklet der „Zaubersprüche“ liest man, daß es nötig sei, mit Hilfe von Mythen und Legenden zurück zur Achtung vor der Natur finden, verzauberte Momente wiederzufinden– das war 2002…Hast du das Gefühl, daß sich in den letzten Jahren der Kreis der Menschen, die sich auf die Reise zurück zum Einklang mit der Natur, zu den alten Mythen begeben, vergrößert hat?

Oliver: Ja, ich glaube, da ist ein Bewußtsein am Erwachen. Die Leute sind extrem auf der Sinnsuche. Wir spielen mit dem Begriff „Pagan Folk“, was zwar etwas sperrig ist, um damit die Musik zu beschreiben, aber was zumindest einen kleinen Hinweis auf die Thematik gibt, und da merken wir, daß sich immer mehr Menschen von dieser angesprochen fühlen. Das Interesse auf den Konzerten ist sehr stark, die Leute sagen, sie finden die Musik toll und, vor allem, sie interessieren sich vermehrt auch für die Hintergründe – das nimmt immer weiter zu.

subKULTUR: Auf der CD „Licht“ fordert ihr auf, den gehörnten Gott Cernunnos bei seiner Reise in die Anderswelt, ins Licht zu begleiten. Auch der Faun, Pan oder der Satyr sind Wesen, die dem Archetypus des gehörnten Gottes entsprechen – im Christentum wurde daraus dann Satan oder auch Luzifer- (was ja eigentlich „der Lichtbringer“ bedeutet). Der gehörnte Gott wurde da vom Ins-Licht-Begleiter zum Lichtbringer – seid ihr mit eurer Musik bestrebt, die ursprünglichen Aspekte, die der gehörnte Gott in sich vereint, wieder ans Licht zu bringen?

Oliver: Auf jeden Fall. Leider sind viele der Überlieferungen heute verfälscht, gerade wenn man ins Altertum oder ins Mittelalter schaut. Vor allem im Mittelalter wurde alles fast ausschließlich innerhalb von Klostermauern aufgeschrieben, das geschriebene Wort außerhalb der klerikalen Welt gab es kaum. Das bedeutet auch, das Wissen , das wir heute über die Kelten und ihre Mythologie haben, stammt entweder aus archäologischen Funden oder aus Berichten Dritter, aber meistens lief das eben übers Kloster, was bedeutet, daß das natürlich schwer umgeschrieben ist. Man muß genau auf die Hintergründe schauen. Das gilt auch für diese Teufelsfigur. Es ist wirklich traurig, daß man überhaupt mit diesen Feindbildern konfrontiert ist, und auch, daß aus dem Thema Sexualität dieser Strick gedreht wurde. So etwas wie das Zölibat mag vielleicht bei ganz extremen Mönchen, die im Kloster leben, sinnvoll sein…

subKULTUR …. wenn es aus tiefster Überzeugung und freiwillig abgelegt wird, aber wer will das schon…

Oliver: Das dürfte nicht mal ein Prozent sein. Meist führt das zu vollkommener Selbstkasteiung und Ausartungen, die Funde von Babyleichen im Kloster sind dafür nur ein Beispiel von vielen. Was wir versuchen ist, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, zu sagen, was es wirklich mit dem gehörnten Gott auf sich hat. Und wir wollen den Fokus auf etwas richten, was unserer Meinung nach erstrebenswerter ist. Viele Leute interessieren sich dafür. Das war bei mir genauso, ich war oft in der Natur, weil ich merkte, daß ich dort etwas finde, was ich nirgendwo sonst fand, eine gewisse Kraft und Sicherheit, die mir sehr gut tut und mir den Halt in einer Welt gibt, die ja auch oft so vollkommen furchteinflößend ist, durch Zukunftsängste oder was auch immer. Es stellt sich dann die Frage, wie kann man das auch ein wenig lenken? Ich habe versucht, Hintergründe zu erfahren, was wirkt da, wie kann man es sich zunutze machen? Kann man das mitnehmen, wenn man auf Reisen ist, oder gibt es da Rituale, um diese helfenden Gefühle auch hervorzurufen? Ich habe sehr viel gesucht, und je mehr ich suchte, desto mehr Scharlatane habe ich leider auch gefunden. Das Wesentliche ist aber, trotz allem die Suche nicht aufzugeben. Wir versuchen, den Leuten ein paar Tips von unserer eigenen Suche mitzugeben.

subKULTUR: „Renaissance“ war die bisher kommerziell erfolgreichste CD, die auch produktionstechnisch teurer klingt als „Licht“ und „Zaubersprüche“ – was war da anders als bei den CDs vorher?

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Corvus Corax: „Die Gitarre des Mittelalters“ (Interview)

Corvus Corax 2006
Corvus Corax 2006

Corvus Corax sind eine der wenigen Bands, die den Aufstieg der Mittelalter-Szene in Deutschland nicht nur von Anfang an beobachtet, sondern auch maßgeblich beeinflusst haben. Schließlich scheinen sich heutzutage mehr Bands der Szene an Corvus Corax als am realen Mittelalter zu orientieren. Nach ihrer wahrhaft fulminanten Carmina Burana-Vertonung samt Orchester und zwei Chören melden sich die Berliner Spielmänner dieser Tage auch schon wieder mit einer neuen Veröffentlichung namens „Venus, Vina, Musica“ zurück, welche die Band wieder von ihrer rein mittelalterlichen Seite zeigt. Frontmann und Dudelsack-Viruose Castus Rabensang stand vor dem Tanzwut-Tourneestart in Berlin ausführlich Rede und Antwort.

Zunächst einmal, erachtet ihr die normale Mittelalter-Version von Corvus Corax und die ‚Cantus Buranus‘ Aufführungen samt Orchester und Chor als zwei grundverschiedene Projekte?

Castus: „Im Prinzip kann man sagen, dass ‚Seikilos‘ der Vorgänger von ‚Venus Vina Musica‘ ist, da wir bei ‚Cantus Buranus‘ für Orchester, mittelalterliches Ensemble und zwei Chöre alles selbst komponiert haben. Wenn wir hingegen mit sieben Leuten auf der Bühne stehen, geht es darum, dass mittelalterliche Musik im Stil von Corvus Corax vorgetragen wird. Wir verändern die Stücke natürlich auch und spielen nicht nur verstaubte Melodien, denn Corvus Corax hat Stil und das wollen die Leute auch hören. Es geht um Tanzmusik des Mittelalters und ab und zu mal eine schöne Ballade oder eine abgefahrene Story.“

Gab es bei „Venus Vina Musica“ eine neue Herangehensweise, verglichen mit „Seikilos“?

Castus: „Wer die Geschichte von Corvus Corax kennt, weiß wie sich bei uns alles entwickelt hat. Zwischendurch hatte unsere Musik durch die Einflüsse von Tanzwut einen technischen Touch. Das fing bei ‚Viator‘ an, als wir versuchen, das Mittelalter auf den neuen Stand zu bringen, wurde bei ‚Mille Anni Passi Sunt‘ etwas weniger und auf ‚Seikilos‘ sind wir schließlich wieder back to the roots gegangen. Dieses Album hatten wir komplett eingespielt, ohne Samples oder Programmings. Wir wählten dafür eine andere Herangehensweise, sprich eine abgefahrene Vorproduktion, bei der man die Sounds anhand von Samples skizziert. Dabei ist uns aufgefallen, dass man in der Naturmusik theoretisch alles nachmachen kann. Wir haben mit Vocodern gearbeitet und eine arabische Geige klang haargenau so. Es ist unvorstellbar, was wir mit unseren über hundert Instrumenten an Klängen und Stimmungen erzeugen können. In diese Richtung gehen wir jetzt weiter, wir benutzen zwar noch Hall und Delay, aber das war es dann auch.“

Also würdet ihr auf Aufnahmen nicht zugunsten der Authentizität verzichten;-)?

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Titelliste, Samstag, 25.06.2005

„Carmina Burana“ Goetteranz im Top Act Zapfendorf
(Faun & Corvus Corax CD-Vorstellung)
Titelliste alphabetisch!

Goettertanz 2005Stadt der Träume – Artwork
In The Beginning – Beautiful World
I Still Remember – Blackmore’s Night
Reign I Forever – Blood Axis
The Hangman And The Papist – Blood Axis
Ballo in da fiesis Minore – Angelo Branduardi

Dulcissima – Corvus Corax
Nummus – Corvus Corax
Lingua Mendax – Corvus Corax
O Langueo – Corvus Corax
Florent Omnes – Corvus Corax
Ergo Bibamus – Corvus Corax
Hymnus Cantica – Corvus Corax
Fortuna – Corvus Corax
Sol Solo – Corvus Corax
Curritur – Corvus Corax
Rustica Puella – Corvus Corax
Mille Anni Passi Sunt – Corvus Corax

Goettertanz 2005In The Heart Of The Wood – Current 93
Oh Thou Coal Black Smith – Current 93
Der Falkenflug – Darkwood
Black Sun – Dead Can Dance
Nierika – Dead Can Dance
Little Black Angel – Death In June
Little Blue Butterfly – Death In June
Runes And Men – Death In June
Love Me To The End (live acc) – Deine Lakaien
Sometimes – Deine Lakaien
Dead Letter – Diary Of Dreams
Misere de Profundis – Eliah´s Mantle
Sonnenwende – Ernte

Das Tor – Faun
Tagelied – Faun
Königin – Faun
Satyros – Faun
Sirena – Faun
Da Que Deus – Faun
Punagra – Faun

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Nicholas Lens „Flamma Flamma“ (CD)

Der Neoklassiker
Flamma Flamma
Flamma Flamma

Das Debüt des Komponisten Nicholas Lens, jenes bombastische Fire Requiem „Flamma Flamma“, begleitete mich seit seiner Veröffentlichung 1994 durch die obscuren Tanznächte. „Flamma Flamma“ ist ein Standardwerk der neo-klassischen Musik und dürfte eine der CDs sein, die ihren Weg durch düstere Tanzgefilde in der Etage begann. Egal ob der Titelsong „Flamma Flamma“, „Sumus vicinae“ oder „Corpus Inimici“ – alle Titel des düster- orchestralen Werkes sind zeitenlose Klassiker mit sehr eigener Instrumentierung, brillanten Solostimmen und satten Chorälen- und die mit Abstand ungewöhnlichsten Tanzflächenfüller in meiner DJ Laufbahn.

„Flamma Flamma“ ist Goettertanz pur, in Glanz und Vollendung nicht zu übertreffen, weder von Carl Orffs „Carmina Burana“ noch von ihrem Schöpfer selbst. Nicholas Lens hatte mit „Flamma Flamma“ seine „Accacha Chronicles“ begonnen, eine Trilogie als eine Suche nach Harmonie, nach Einklang zwischen den sich widerstrebenden Elementen. Einzigartig ist bei „Flamma Flamma“ und seinen Folgewerken die Verschmelzung außereuropäischer Kulturen mit den hohen Tugenden der klassischen Musik, jenes unorthodoxe, was sich auch im inhaltlichen kompromißlos niederschlägt.

„Flamma Flamma“ beschäftigt sich, wie kein zweites Requiem, nicht nur mit Trauer und Schmerz, sondern mit der Vorstellung, daß der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. So wird dem Jenseitigem gehuldigt, ohne es zu verklären, werden die positiven Aspekte des Feuers, wie eben Licht und Wärme gepriesen und sämtliche menschliche Gefühlslagen im Angesicht des Todes thematisiert… über alle philiosophischen und auch musikalischen Grenzen hinweg.

Thomas Manegold 2002

Erscheinungsdatum: 1999, Label: Sony BMG, CD im Digipack
1. Hic iacet l – 2. Hic iacet ll – 3. Sumus vicinae – 4. Tegite specula – 5. Complorate filiae – 6. Vale frater – 7. Amice mi – 8. Corpus inimici – 9. Delicae meae – 10. Flamma flamma – 11. Ave ignis – 12. In corpore – 13. Agnus purus – 14. Ardeat ignis

Wikipedia über Nicholas Lens

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Corvus Corax „Die Könige der Spielleut“ (Interview)

Corvus Corax 2000

INTROITUS: Da ein Terminus Quasselus mit den Spielleuten man uns anzubieten gedachte, zog er von dannen, unser Herr von Sturzbach, um den Worten des Meister Selbfried zu lauschen, der da ward in Bamberg mit seinen musizierenden Freunden. Unser Hilbert ward höchsterfreut, denn auch die Gruppe CORVUS CORAX schien der Shizophrenia verfallen, weil sie doch mit allmöglichen elektrischem Beiwerk da in Bamberg zugange ward und TANZWUT sich zu nennen pflegte. Und doch ward es ein schöner Plausch mit Meister Selbfried und Castus über CORVUS CORAX und das neue Album „Mille Anni Passi Sunt“, doch leset selbst:

H.v.S.: Was hat euch bewegt, ein Album über den rumänischen Volkshelden „Vlad III. Tepes“ (= der Pfähler) zu machen?

M.S.: Übers Management kamen wir eher zufällig mit dem letzten Nachfolgers Draculeas, Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco, zusammen. Er hat ein Restaurant namens „Dracula“ in Berlin. Einerseits, geht er mit dem Namen und mit der erfunden Person aus Bram Stokers Buch etwas hausieren. Andererseits ist er ein sehr geschichtsbewusster Mensch. Er kennt seine Familiengeschichte sehr gut und legt wert darauf, daß sie auch richtig wiedergegeben wird. Er hat z.B. auch gegen den Film „Bram Stocker’s Dracula“ geklagt, weil im Film Prinz und Fürst verwechselt wurde. (Vlad III „Tepes“ war Fürst der Wallachei. d.Autor). Uns hat fasziniert, daß jemand so mit seiner Geschichte umgeht. Wir versuchen mit unserer Musik genau das, was Bram Stoker mit seinem Buch gemacht hat. Aus alten Quellen etwas Neues zu schaffen. Das ist eine Parallele die man vertreten kann.

H.v.S.: In welchem Studio ward ihr für die Aufnahmen zugegen?

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