Faun: „Back To Nature“ (Interview)

FAUN

Mit TOTEM überraschte uns die Münchner Gruppe Faun mit einigen neuen Einflüssen und einer insgesamt düsteren Grundstimmung. Die Paganfolk-Band hat natürlich eine mystische Aura, aber bislang waren sie auch bei ihren Liveauftritten eher für die gute Laune diesseits und jenseits der mittelalterlichen Musik zuständig. Ein Interview ist ja fast schon so was wie ein Heimspiel für die Band. Bereits drei Mal spielte FAUN bisher im Top Act Zapfendorf und auch sonst macht die Chefredaktion keinen Hehl daraus, mit Haut und Haar jenem ominösen Geklang mit Namen Paganfolk oder Neocelt verfallen zu sein, wobei ja im Klangkosmos der Faune schon immer eine sehr eigene Art von Crossover für frischen Wind sorgte. Jasmin zog aus, neues und altes über Faun zu erkunden und sprach mit Oliver Satyr.

subKULTUR: Eure bisherigen CDs laden stets zu einer thematischen (Klang) Reise ein – im Booklet der „Zaubersprüche“ liest man, daß es nötig sei, mit Hilfe von Mythen und Legenden zurück zur Achtung vor der Natur finden, verzauberte Momente wiederzufinden– das war 2002…Hast du das Gefühl, daß sich in den letzten Jahren der Kreis der Menschen, die sich auf die Reise zurück zum Einklang mit der Natur, zu den alten Mythen begeben, vergrößert hat?

Oliver: Ja, ich glaube, da ist ein Bewußtsein am Erwachen. Die Leute sind extrem auf der Sinnsuche. Wir spielen mit dem Begriff „Pagan Folk“, was zwar etwas sperrig ist, um damit die Musik zu beschreiben, aber was zumindest einen kleinen Hinweis auf die Thematik gibt, und da merken wir, daß sich immer mehr Menschen von dieser angesprochen fühlen. Das Interesse auf den Konzerten ist sehr stark, die Leute sagen, sie finden die Musik toll und, vor allem, sie interessieren sich vermehrt auch für die Hintergründe – das nimmt immer weiter zu.

subKULTUR: Auf der CD „Licht“ fordert ihr auf, den gehörnten Gott Cernunnos bei seiner Reise in die Anderswelt, ins Licht zu begleiten. Auch der Faun, Pan oder der Satyr sind Wesen, die dem Archetypus des gehörnten Gottes entsprechen – im Christentum wurde daraus dann Satan oder auch Luzifer- (was ja eigentlich „der Lichtbringer“ bedeutet). Der gehörnte Gott wurde da vom Ins-Licht-Begleiter zum Lichtbringer – seid ihr mit eurer Musik bestrebt, die ursprünglichen Aspekte, die der gehörnte Gott in sich vereint, wieder ans Licht zu bringen?

Oliver: Auf jeden Fall. Leider sind viele der Überlieferungen heute verfälscht, gerade wenn man ins Altertum oder ins Mittelalter schaut. Vor allem im Mittelalter wurde alles fast ausschließlich innerhalb von Klostermauern aufgeschrieben, das geschriebene Wort außerhalb der klerikalen Welt gab es kaum. Das bedeutet auch, das Wissen , das wir heute über die Kelten und ihre Mythologie haben, stammt entweder aus archäologischen Funden oder aus Berichten Dritter, aber meistens lief das eben übers Kloster, was bedeutet, daß das natürlich schwer umgeschrieben ist. Man muß genau auf die Hintergründe schauen. Das gilt auch für diese Teufelsfigur. Es ist wirklich traurig, daß man überhaupt mit diesen Feindbildern konfrontiert ist, und auch, daß aus dem Thema Sexualität dieser Strick gedreht wurde. So etwas wie das Zölibat mag vielleicht bei ganz extremen Mönchen, die im Kloster leben, sinnvoll sein…

subKULTUR …. wenn es aus tiefster Überzeugung und freiwillig abgelegt wird, aber wer will das schon…

Oliver: Das dürfte nicht mal ein Prozent sein. Meist führt das zu vollkommener Selbstkasteiung und Ausartungen, die Funde von Babyleichen im Kloster sind dafür nur ein Beispiel von vielen. Was wir versuchen ist, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, zu sagen, was es wirklich mit dem gehörnten Gott auf sich hat. Und wir wollen den Fokus auf etwas richten, was unserer Meinung nach erstrebenswerter ist. Viele Leute interessieren sich dafür. Das war bei mir genauso, ich war oft in der Natur, weil ich merkte, daß ich dort etwas finde, was ich nirgendwo sonst fand, eine gewisse Kraft und Sicherheit, die mir sehr gut tut und mir den Halt in einer Welt gibt, die ja auch oft so vollkommen furchteinflößend ist, durch Zukunftsängste oder was auch immer. Es stellt sich dann die Frage, wie kann man das auch ein wenig lenken? Ich habe versucht, Hintergründe zu erfahren, was wirkt da, wie kann man es sich zunutze machen? Kann man das mitnehmen, wenn man auf Reisen ist, oder gibt es da Rituale, um diese helfenden Gefühle auch hervorzurufen? Ich habe sehr viel gesucht, und je mehr ich suchte, desto mehr Scharlatane habe ich leider auch gefunden. Das Wesentliche ist aber, trotz allem die Suche nicht aufzugeben. Wir versuchen, den Leuten ein paar Tips von unserer eigenen Suche mitzugeben.

subKULTUR: „Renaissance“ war die bisher kommerziell erfolgreichste CD, die auch produktionstechnisch teurer klingt als „Licht“ und „Zaubersprüche“ – was war da anders als bei den CDs vorher?

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Corvus Corax: „Die Gitarre des Mittelalters“ (Interview)

Corvus Corax 2006
Corvus Corax 2006

Corvus Corax sind eine der wenigen Bands, die den Aufstieg der Mittelalter-Szene in Deutschland nicht nur von Anfang an beobachtet, sondern auch maßgeblich beeinflusst haben. Schließlich scheinen sich heutzutage mehr Bands der Szene an Corvus Corax als am realen Mittelalter zu orientieren. Nach ihrer wahrhaft fulminanten Carmina Burana-Vertonung samt Orchester und zwei Chören melden sich die Berliner Spielmänner dieser Tage auch schon wieder mit einer neuen Veröffentlichung namens „Venus, Vina, Musica“ zurück, welche die Band wieder von ihrer rein mittelalterlichen Seite zeigt. Frontmann und Dudelsack-Viruose Castus Rabensang stand vor dem Tanzwut-Tourneestart in Berlin ausführlich Rede und Antwort.

Zunächst einmal, erachtet ihr die normale Mittelalter-Version von Corvus Corax und die ‚Cantus Buranus‘ Aufführungen samt Orchester und Chor als zwei grundverschiedene Projekte?

Castus: „Im Prinzip kann man sagen, dass ‚Seikilos‘ der Vorgänger von ‚Venus Vina Musica‘ ist, da wir bei ‚Cantus Buranus‘ für Orchester, mittelalterliches Ensemble und zwei Chöre alles selbst komponiert haben. Wenn wir hingegen mit sieben Leuten auf der Bühne stehen, geht es darum, dass mittelalterliche Musik im Stil von Corvus Corax vorgetragen wird. Wir verändern die Stücke natürlich auch und spielen nicht nur verstaubte Melodien, denn Corvus Corax hat Stil und das wollen die Leute auch hören. Es geht um Tanzmusik des Mittelalters und ab und zu mal eine schöne Ballade oder eine abgefahrene Story.“

Gab es bei „Venus Vina Musica“ eine neue Herangehensweise, verglichen mit „Seikilos“?

Castus: „Wer die Geschichte von Corvus Corax kennt, weiß wie sich bei uns alles entwickelt hat. Zwischendurch hatte unsere Musik durch die Einflüsse von Tanzwut einen technischen Touch. Das fing bei ‚Viator‘ an, als wir versuchen, das Mittelalter auf den neuen Stand zu bringen, wurde bei ‚Mille Anni Passi Sunt‘ etwas weniger und auf ‚Seikilos‘ sind wir schließlich wieder back to the roots gegangen. Dieses Album hatten wir komplett eingespielt, ohne Samples oder Programmings. Wir wählten dafür eine andere Herangehensweise, sprich eine abgefahrene Vorproduktion, bei der man die Sounds anhand von Samples skizziert. Dabei ist uns aufgefallen, dass man in der Naturmusik theoretisch alles nachmachen kann. Wir haben mit Vocodern gearbeitet und eine arabische Geige klang haargenau so. Es ist unvorstellbar, was wir mit unseren über hundert Instrumenten an Klängen und Stimmungen erzeugen können. In diese Richtung gehen wir jetzt weiter, wir benutzen zwar noch Hall und Delay, aber das war es dann auch.“

Also würdet ihr auf Aufnahmen nicht zugunsten der Authentizität verzichten;-)?

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OMNIA „Pagan Folk“ (CD)

PAGAN FOLKOmnia waren schon immer eine Liveband, was soviel bedeutet, daß man sie zumindest einmal gesehen haben muß, um zu erleben, welcher Zauber und welche Anziehungskraft von den Vieren ausgeht. Da spielt es keine Rolle, ob die CD als Erinnerungsträger soundtechnisch etwas dünn ausgefallen ist, wie einst „Crone Of War“ oder ob sie mit nur einem Mikrophon in einer Kirche mitgeschnitten wurde, wie einst „Live Religion“… oder ob alles an Erfahrung, Geld und Zeit reingesteckt wurde, was der Band zur Verfügung stand, wie anno 2006 in vorliegendes Album „Pagan Folk“.

Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten. Was dann, reichlich mit keltischen Ranken verziert, dargeboten wird, mag erstmal exotisch erscheinen, denn in der Tat sehen Omnia eher wie Indianer aus, als wie die Mittelalterleut… und so nach einer halben Stunde fühlt man sich ihnen näher, als dem eigenen Spiegelbild…

Woran das liegt, mag jeder für sich herausfinden, denn alles das, was Omnia jenseits der Musik ausmacht, ist eine sehr unterhaltsam verpackte, wichtige Botschaft über unsere keltischen, matriarchaischen Wurzeln. Sic ist ein Sarkast, wenn er in den Ansagen Römer, Christen und Amerikaner in einen Sack steckt und ihn lächelnd zubindet, wenn er sich in den Schritt faßt und die typische marktschreierische testosterongeschwängerte Ansage führender Mittelaltercombos nachahmt, ohne einen Namen zu bemühen … Weiterlesen „OMNIA „Pagan Folk“ (CD)“

Titelliste, Samstag, 25.06.2005

„Carmina Burana“ Goetteranz im Top Act Zapfendorf
(Faun & Corvus Corax CD-Vorstellung)
Titelliste alphabetisch!

Goettertanz 2005Stadt der Träume – Artwork
In The Beginning – Beautiful World
I Still Remember – Blackmore’s Night
Reign I Forever – Blood Axis
The Hangman And The Papist – Blood Axis
Ballo in da fiesis Minore – Angelo Branduardi

Dulcissima – Corvus Corax
Nummus – Corvus Corax
Lingua Mendax – Corvus Corax
O Langueo – Corvus Corax
Florent Omnes – Corvus Corax
Ergo Bibamus – Corvus Corax
Hymnus Cantica – Corvus Corax
Fortuna – Corvus Corax
Sol Solo – Corvus Corax
Curritur – Corvus Corax
Rustica Puella – Corvus Corax
Mille Anni Passi Sunt – Corvus Corax

Goettertanz 2005In The Heart Of The Wood – Current 93
Oh Thou Coal Black Smith – Current 93
Der Falkenflug – Darkwood
Black Sun – Dead Can Dance
Nierika – Dead Can Dance
Little Black Angel – Death In June
Little Blue Butterfly – Death In June
Runes And Men – Death In June
Love Me To The End (live acc) – Deine Lakaien
Sometimes – Deine Lakaien
Dead Letter – Diary Of Dreams
Misere de Profundis – Eliah´s Mantle
Sonnenwende – Ernte

Das Tor – Faun
Tagelied – Faun
Königin – Faun
Satyros – Faun
Sirena – Faun
Da Que Deus – Faun
Punagra – Faun

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QNTAL- Über die Vergänglichkeit von Schönheit, Ruhm und Macht

Ein Interview mit Michael Popp aus dem Jahr 2005

Michael Popp (Qntal 2005 @Top Act Zapfendorf)

QNTAL war ein Phänomen, das sich anfang der 90er aus den Klanguniversen der Herren Michael Popp (Estampie) und Ernst Horn (Deine Lakaien) gebildet hatte. Daß die SzeneHits „Et Mortem Festinamus“ und „Palästinalied“ zu zeitlosen Klassikern wurden, ja daß ihnen mit einer immensen Vergrößerung der angesprochenen Musik Szenen, ein ganzes neues Genre folgte, konnte damals niemand ahnen. Doch der Crossover aus Musiken des Mittelalters und anliegender Epochen mit modernen Popmusikelementen, Elektronik und Gitarren, trieb immer buntere Blüten, während Qntal, nach zwei schlicht nummerierten Platten, schwieg. Dann kam der Split. Ernst Horn ging, sein neues Projekt Helium Vola kam und QNTAL ersuchte sich eine Identiät im inzwischen heißumkämpften Markt der Mittelalter-, Renaissance- und Klassik Adaptierer. Schon mit dem, nach sieben Jahren Pause erschienenen, dritten Album war da ein qualitativ hochwertiges Zeichen gesetzt, das nun mit dem vierten Album seine Vollendung erfährt. Qntal scheint, nach einer langen Irrfahrt und vielen Querelen, nun inmitten der Epigonen und Abzweigungen einen Platz gefunden zu haben. Aus dem Trio Syrah (Gesang), Michael Popp (Instrumente, Kompositionen) und Phillip Groth (Electronics, Produktion) ist (wieder) eine Band in Hochform geworden, die Hits schreiben kann und dabei unverwechselbar bleibt.

ToM: Was hat sich produktionstechnisch verändert, daß euer viertes Album um so viel „besser“ klingt, als das dritte… und das nach relativ kurzer Zeit?

Michael Popp: Tja, was ist schon eine „gute“ Produktion. Es kommen da viele Sachen zusammen, die Komposition, die Technik und nicht zuletzt auch der „Spirit“. In diesem Fall hatten wir alle ein durchweg gutes Gefühl. Schon das Komponieren war einfach und ging locker von der Hand. Dann kennen wir uns halt auch besser als noch vor 3 Jahren. Das alles macht etwas aus. Das Equipment und die Produktionsmethode haben sich eigentlich nicht geändert.

ToM: Das Album „Signum“ von Estampie präsentierte das Ensemble um einiges geradliniger und moderner, als noch die Vorgänger Alben deines authentisch musizierenden Projektes. „QNTAL IV“ ist sehr organisch, sodaß die beiden Gruppen sich stilistsich etwas annähern. Ist das Absicht, ein Trend in Richtung Fusion?

Michael Popp: Nein. Natürlich kann man nicht verleugnen, daß hinter beiden Bands teilweise die selben Leute stecken, aber man darf auch nicht überschätzen, wie viel man beim Einspielen einer CD überhaupt vorher planen kann. Wir gehen da eigentlich schon sehr akribisch vor, recherchieren viel, haben ziemlich genaue Konzepte in den Köpfen und trotzdem ist man dann immer wieder überrascht, wie es dann am Ende klingt. So eine Produktion führt irgendwie ein Eigenleben, während man daran arbeitet.

Syrah (Qntal 2005 @ Top Act Zapfendorf)

ToM: Welches Instrumentarium hat im Verlauf der Enstehung von „Ozymandias“, eurem, vierten Album, nun Einzug gehalten… oder sind die exotischen Klänge alle virtuell?

Michael Popp: Da ist schon viel Mittelalterkram dabei, allerdings haben wir die Klänge oft so stark verfremdet, sodaß man nicht mehr sagen kann, was akutsich und was elektronisch erzeugt wurde…. Moment …. Ich muß mal nachdenken: Fidel, Laute, Du, Tambur, Klarinette, Flöte, Dudelsack, Posaune, Drehleier … wir haben schon Einiges live gespielt.

ToM: Hattet ihr für die tollen Satzgesänge noch Gäste im Studio oder ist „Ozymandias“ zu dritt entstanden?

Michael Popp: Die gesänge haben wir alle selbst gesungen….aber ein paar freunde haben instrumente eingespielt. Das geht bei uns ziemlich unkompliziert, da gibt´s keine vorgaben. Jeder kann sich da selber verwirklichen. Ob´s dann aber am Ende auf der CD bleibt entscheiden nur Syrah, Fil und ich.

ToM: Schielt ihr auf den Tanzflur, wenn ihr QNTAL seid oder laßt ihr euich einzig von eurer Vision leiten?

Michael Popp: Wir hatten uns vorgenommen, im Gegensatz zum dritten Album, die Stücke eindeutiger zu machen. Ein tanzbares Stück soll auch wirklich straight durchgehen, ein lyrisches Stück wirklich fragil und zerbrechlich wirken und ein synphonisch angelegtes Werk auch wirklich mächtig und breit klingen. Paradoxerweise entsteht genau dadurch der Eindruck eines klanglich geschlossenen Albums. Da habe ich auch wieder was dazugelernt.

ToM: Wie kamt ihr zum Drakkar Label und wie ist dort die Zusammenarbeit angelaufen?

Michael Popp: Nachdem Vielklang pleite gegangen ist mit all den unschönen Begleiterscheinungen, die so eine Insolvenz mit sich bringt (nicht ausgezahlte Tantiemen, „vergessene“ GEMA-Anmeldungen usw.), haben wir uns halt umgeschaut und sind bald, über den Verlag Radar, auf Drakkar gestoßen. Diesen Schritt haben wir überhaupt nicht bereut, die Zusammenarbeit läuft super, wobei ich auch sagen muß, daß die Zusammenarbeit mit Doro von Vielklang gut geklappt hatte… bis eben die Insolvenz kam.

ToM: Was ist das inhaltliche Anliegen der CD, folgt sie, ähnlich der dritten, einem Konzept, auch jenseits der überspannenden Feuerthematik? Ich habe zwar auch den Pressetexct gelesen, doch halte ich es für wichtig, eure inhaltliche Relevanzen, die ja oft jenseits von Deutsch und Englisch liegen, etwas zu vertiefen

Michael Popp: Das Interessanteste beim künstlerischen Arbeiten ist ja das, was unterbewußt passiert. Oft kommt hinterher ein Kritiker und stößt uns auf inhaltliche Dimensionen, die uns während der Arbeit gar nicht so bewußt waren. Wir hatten eigentlich nur den Ansatz, uns von dem Gedicht „Ozymandias“ leiten zu lassen, das die Vergänglichkeit von Schönheit, Ruhm und Macht beschreibt, ein Inhalt, der viel mit dem Wiederentdecken mittelalterlicher Musik zu tun hat. Während der Arbeit wurde uns dann bewußt, das die ganze CD sehr viel mit den vier Elementen zu tun hat. Dieses Thema fasziniert vor allem Syrah sehr. Und so hat besagtes Unterbewußte uns wohl einen Streich gespielt, denn eigentlich hatten wir diese Thematik für „Ozymandias“ nicht angehen wollen.

ToM: Warum hat es kein Song der Stella Splendens/ Nihil Maxi auf das Album geschafft?

Michael Popp: Von „Stella Splendens“ gibt´s ja schon einen Remix und „Nihil“ wollen wir für die Herbsttour nochmal ganz neu angehen. Insofern war eigentlich kein Platz für diese Stücke…

Qntla live @ Top Act Zapfendorf 2005

ToM: Ist euer neues Album auch in einem der MP3 Stores, wie iTunes zu haben?

Michael Popp: Puh, das weiß ich eigentlich gar nicht.. ich bin soviel mit der Musik beschäftigt, daß ich mich um die Geschäfte nicht kümmern kann. Gottseidank gibt´s ja unseren Manager Andy, der das alles für uns erledigt…

ToM: Ok, dann geht die Frage (krrrrrz…. , neue Leitung, Nummer schnellgetippt, tuuuuut… Konferenzschaltung) an den Manager…

Andy: Nein, keine MP3s, keine Downloadmöglichkeit in einschlägigen Portalen. Das geht allerdings auch vom Label aus, welches eine entsprechende Politik verfolgt. Meiner Meinung nach spielt diese Form des MusikErwerbs bei unserem Klientel eine eher untergeordnete Rolle!

ToM: Was hältst du als Privatperson von dieser neuen Möglichkeit der Musikvermarktung?

Michael Popp: Wenn´s nach mir ginge, gäbe es immer noch die guten, alten Vinyl LPs, da konnte man mehr mit Artwork und Covergestaltung machen, aber glücklicherweise fragt mich niemand. Ich glaube, in Vermarktungsdingen bin ich eine ziemliche Null, leider. Vielleicht hängt das mit meinem musikalischen Werdegang zusammen, als klassisch ausgebildeter Musiker geht man an diese Dinge ein bißchen antiquierter ran, glaube ich.

ToM: Sind bei euch dennoch kreative, medienverbindende Dinge geplant, die über das klassische Musizieren und promoten hinausgehen?

Michael Popp:Du meinst Klingeltöne und so? Ich kann mir ja gar nicht vorstellen, daß es da Leute gibt, die sowas kaufen, aber da kannst du mal sehen, wie sehr ich hinter dem Mond lebe… Ein Film hingegen wäre schon ein Traum, das hat ja eine zusätzliche künstlerische Dimension und das finde ich interessant. Also, Regisseure aufgepaßt! Meldet euch in Massen bei uns!!!!!

ToM: Nach Alteuropa und einem kurzen Trip in Richtung Orient… Wohin wird die Reise von Qntal nun gehen?

Michael Popp: Das lassen wir in Ruhe auf uns zukommen. Da sitze ich mal bei Sonnenuntergang an einem See oder auf einem Berg, schaue in die Luft und plötzlich weiß ich ganz genau, was als Nächstes kommt. Manchmal ist es besser einfach hinzuhören und hinzuschauen, was kommt, und sich nicht alles auszudenken.

Ich danke für das Interview. (Mai 2005)

DEAD CAN DANCE (2004)

DEAD CAN DANCE sind Inbegriff für atmosphärische Musik mit außereuropäischen Einflüssen. Oft kopiert und nie erreicht sind sie die „Urversion“ des Duos, das nicht zuletzt auch mit den männlich/ weiblichen Gegensätzen magische, spirituelle Einheit sucht und sie musikalisch heraufbeschwört, sie schwingen läßt, begreifbar und ewig macht. In der Klangwelt von Dead Can Dance treffen mittelalterliche Chöre auf Didgeridoos und exotische Perkussions auf unterschiedlichste Saiteninstrumente – einzigartig verwoben mit Lisa Gerrards und Brendan Perrys Stimmen, die schlußendlich doch gemeinsam jene magischen Momente erschufen, die man nicht beschreiben kann.

Lisa Gerrard & Brendan Perry begannen bereits 1980 als Dead Can Dance Musik zu machen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außerdem die Musiker Paul Erikson und Simon Monroe. Sie erlangten mit Platten wie „The Serpents Egg“ & „Aion“ absoluten Kultstatus- gerade wegen Lisa Gerrards unverwechselbarer Stimme und ihren „wortlosen“ Texten…

Jedes Album war geprägt von einer musikalischen oder historischen Epoche. So waren die ersten Platten noch sehr mittelalterlich. Später gewannen bevorzugt außereuropäische Einflüsse immer mehr die Oberhand, natürlich ohne andere Stile und Prägungen zu verleugnen, so zum Beispiel den irischen Einfluß in den Kompositionen Brendan Perrys. Mit dem (vorerst) letzten Album „Spiritchaser“ befand man sich musikalisch zuweilen in Afrika, an den Ufern des Nils…

Ende 1998, nachdem Lisa Gerrards zweite Solo-CD „Duality“ erschienen war, bestätigte die Plattenfirma 4AD die Auflösungsgerüchte: Dead Can Dance sagten überraschend eine anstehende Tour ab und erklärten ihre Zusammenarbeit für beendet. Bis 1998 erschienen 9 reguläre CDs.
Für einen, logischerweise nicht vollständigen Überblick sei das exzellente Livealbum „Toward The Within“ empfohlen (4AD, Rough Trade 1994 auch als VHS und DVD). Hier hat man einmalig die Gelegenheit, die Philosophie des Musizierens, welche sich auch im Namen verbirgt, zu erahnen, denn trotz eines manchmal schon beängstigenden Perfektionismus´ ist das Werk und der Akt des Musizierens im höchsten Maße spirituell. Ein Live-Konzert von Dead Can Dance gleicht einer Messe, wenn Lisa Gerrard ganz in weiß gekleidet, engelsgleich auf der Bühne erscheint und mit ihrer unglaublichen Stimme das Publikum vom ersten Ton an hypnotisiert.

Nach der Trennung erschien Brendan Perrys Soloalbum „Eye Of The Hunter“ Lisa Gerrard arbeitete am Gladiator Soundtrack mit und wurde mit geradezu euphorischen Kritiken und einer Oskar Nominierung bedacht. Diesen Erfolg konnte sie mit „Whale Rider“ als alleinige Komponistin, ohne Hans Zimmer, nicht wiederholen.

Schon während des Bestehens von Dead Can Dance waren Lisa Gerrard und Brendan Perry das Maß aller Dinge und Nichtdinge. So fanden sich zahlreiche Bewunderer, Epigonen und auch MusikerInnen, deren unabhängige Kunst durch die Popularität von Dead Can Dance beflügelt wurde. Immer wieder wurden Vergleiche bemüht, mal segensreich, mal wie ein Fluch lastend auf doch so eigenständig agierende Bands wie Love Is Colder Than Death oder MILA MAR. Zu nennen wären weiterhin Louisa John- Krol und Loreena Mc Kennith, deren Folklore durch die exzellenten Stimmen ebenfalls intensive spirituelle Prägung erfährt oder auch Bands wie D´acardia, Faun und Unto Ashes, die mit ihren Gesängen ebenfalls magische Momente heraufbeschwören.

Dann flatterte eine Meldung auf den Tisch, erst als vages Gerücht und dann an kaum zu glaubende Gewißheit: Dead Can Dance werden im Frühjahr 2005 drei Konzerte in Deutschland geben: Sa , 26.03.2005, Philharmonie, Köln – So , 27.03.2005 Philharmonie, München – Di , 29.03.2005, Philharmonie Berlin. 6 Wochen nach Vorverkauf Start waren München und Berlin faktisch ausverkauft. Wenig später war auch schon von einer Reunion Tour die Rede und auf der Dead Can Dance Webseite als ausschließliche Infomation folgene Dates angekündigt:

10.03.05 Olympia Theatre – Dublin – Ireland
12.03.05 Prins Willem Alexander Zaal (NCC) – Den Haag – Netherlands 14.03.05 Palais de Congres – Paris – France 16.03.05 Salle Vauban – Lille – France 17.03.05 Bozar (Centre for fine arts) – Bruxelles – Belgium 19.03.05 Theatre Femina – Bordeaux – France 21.03.05 Teatro Lope de Vega – Madrid – Spain 22.03.05 Barcelona Auditori – Barcelona – Spain 24.03.05 Teatro dal Verme – Milan – Italy 26.03.05 Philharmonie – Cologne – Germany 27.03.0 – Philharmonie – Berlin – Germany 29.03.05 Sala Kongresowa – Warsaw – Poland 31.03.05 Dome Cathedral – Riga – Latvia 01.04.05 Oktyabrsky Concert Hall – Saint Petersburg – Russia 03.04.05 Barbican Centre – London – England

Ansonsten sind die Informationen rar gesät (waren sie eigentlich schon immer). Auffallend ist, daß ausschließlich renomierte klassische Häuser bespielt werden. Im September soll diese Tour in Amerika fortgesetzt und mit einem voll orchestrierten Abschlußkonzert in Los Angeles beendet werden. Das läßt natürlich Raum für Spekulationen auf eine neue Veröffentlichung.

Klar, man wolle es nochmal wissen, zudem neue Instrumente ausprobieren, wurde Lisa Gerrard zitiert. „Das Lineup der Musiker“, so sagte sie weiter, „ist absolut phänomenal; eigentlich sogar noch besser! Es wird ohne Zweifel DAS Dead Can Dance Ereignis schlechthin. Es ist schwer meine Aufregung und Erwartungen in Worte zu fassen.“

Das geht wohl nicht nur ihr so. Als stetig glühender Dead Can Dance Verehrer wurde mir schwindelig vor Freude. „Erschwerdend“ kommt hinzu, daß jene Sympathie zur Magie und Reinheit die fast einzige haltlose Begeisterung ist, die mein Wirken als Musikjournalist schadlos überdauert hat. Keine Desillusion konnte jener Begeisterung für die Stimme Lisa Gerrards etwas anhaben, vielmehr war diese prägend und das hochgesteckte Maß, wenn ich durch Zeiten und Musiken wandelte. Nicht zuletzt ist ihr auch die Inspiration zu verdanken, die schließlich zum Goettertanz geführt hat.

Deshalb ist es auch eine große Ehre, am 25.12.2004 eine Dead Can Dance Party ausrichten zu dürfen. Unser Goettertanz Special im Top Act Zapfendorf wird mit der Verlosung zweier Ehrenkarten für das bereits ausverkaufte Konzert in München zu einer letzten Möglichkeit, bei jenem Konzertereignis 2005 dabei zu sein.

Text: Thomas Manegold 2004
Bilder: http://www.lisagerrard.com
http://www.deadcandance.com

Die Walpurgisnacht

Der Monat Mai erhielt seinen Namen nach der Urfrau Maia (später Maria), die uns vom dunklen, besinnlichen Winter in die neuerwachende Phase des Frühlings geleitet und uns frische Lebensenergie bringt.Wie fast alle unsere Ahninnen, symbolisiert auch die Maia die Weisheit der sinnlichen Liebe, den Zyklus des Lebens, der sich im Mai in der ganzen Natur als Fröhlichkeit zeigt.

Helleres Licht, die ersten warmen Tage und lauen Nächte, leuchtendes Maiengrün, das Blühen der Obstbäume bringen Pflanzen, Tiere und Menschen in Aufbruchstimmung. Der Überschwang will gefeiert werden. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war der Mai im ganzen ländlichen Europa ein „Honey-Moon“ der sexuellen Freiheiten. Vorhandene Ehebande waren zeitweise außer Kraft gesetzt. Am Abend vor dem ersten Mai fanden die großen Frühlingsfestlichkeiten der Hexen statt. Ihnen entspricht Samhuin oder Halloween am entgegengesetzten Pol des Jahres (31. Oktober).

In Deutschland ist dieser Abend als Walpurgisnacht bekannt. Der legendäre Versammlungsort der Hexen während dieser Nacht ist der Kniebis im Schwarzwald und der Brocken, der höchste Berg im Harz. Goethe hat dieses wilde Fest im Faust detailliert beschrieben. In Irland und Schottland hieß dieses Fest Beltane oder Baltein. Symbolisch wurde in dieser Nacht der Baal (auch Baldur genannt) verbrannt, als Übergangssymbol vom Alten zum Neuen. In manchen Gegenden verkörperte ihn ein vom Los ausgewählter Mann, der durch die Maifeuer sprang, die in Skandinavien noch heute „Baldurs Scheiterhaufen“ genannt werden.
Am ersten Mai wird vielerorts der Maibaum aufgestellt, Symbol für die Verbindung zwischen der Erde und dem Firmament. Das Aufstellen von Maibäumen zu Beginn des Maifestes ist in verschiedenen Ländern Europas bis heute Tradition. Weiterlesen „Die Walpurgisnacht“

Titelliste, Samstag, 27.03.2004

 „Magna Mater“ Goetteranz im Top Act Zapfendorf

Goettertanz 2004HELIUM VOLA, das Projekt um Ernst Horn (Deine Lakaien, exQntal) hatte mit „Liod“ ein phänomenales zweites Album vollendet, sodaß ich, leider ohne es ankündigen zu können, einige Lieder daraus vorstellen konnte. So wurde der Goettertanz zu einer exklusiven PreListening veranstaltung, da „Liod“ erst Ende April 2004 in die Läden kommen soll. Neben der vorab ausgekoppelten Single „Veni Veni“ wurden erstmals auch weitere Stücke des Albums gespielt… und mit Erfolg. Besonders beeindruckt hat mich die Reaktion auf das doch eher ruhige Lied „Frauenklage“. Außerdem spielte ich erstmals Stücke vom neuen Predella Avant Album, von Wappenbund & auf vielfachen Wunsch Cultus Ferox, deren „Mutter Erde“ & „Sarah“ erstmals für eine volle Tanzfläche im Top Act sorgten. Dem erlauchten Publikum sei gedankt.

Playlist

Soundscape: Klaus Kinski „Gesucht wird Jesus Christus“ (Miserere, Predella Avant)

Helga Pogatschar „Kyrie“
Elend „New Born Sailor“
Sopor Aeternus „Question Beyond Terms“
Dead Can Dance „The Wind That Shakes The Barley“
The Moon Lay Hidden Beneath A Cloud „.“
Nicholas Lens „Angus Purus“
Carl Orff „Fortune Plango“/ „Oh Fortuna“
Mental Measuretech „Turtle Recall“
Sol Invictus „Black Easter“
Wumpscut „Line Of Corpses“
Lisa Gerrard „Glorafin“
Garmarna „Bläck“
Death In June „Rose Clouds Of Holocaust“
Death In June „Little Blue Butterfly“
Kutna Hora „Crazy Man Michael“
Blood Axis „Electricity“
Garmarna „Klevabergselden“
Predella Avant „Carbon Figures 9“
Sleeping Dogs Wake „Toys For Alice“

Weiterlesen „Titelliste, Samstag, 27.03.2004“

Titelliste Sa. 28.06.2003

Göttertanz vom 28.06.2003 im Top Act Zapfendorf

Goettertanz 2003Schneewitchen „Der Tod hat sich verliebt“
Temps Perdu „Firewalk“
Gerstein „Crush“
Einstürzende Neubauten „Sonnenbarke“
Thomas D. „Planet des ewigen Regens“
Artwork „Bring The Rain“
Goethes Erben „Ein Gewinn für die Vergangenheit“
Artwork „Mitsommernachtstraumspaziergang“ (live)
Hybrids „Enigma of Dolphines“ (reversed)

Lisa Gerrard „Sacrifice“
Jerry Goldsmith „Ave Satani“
Arcana „Chant Of The Awakening“
Sol Invictus „In Europa“
Cerstin Gwen „Eva“ (demo version)
Faith And The Muse „Muted Land“
Death In June „Little Black Angel“
Engelsstaub „Victims Of Love“
Fire And Ice „Seekers Prayer“
Hagalaz Runedance „Hel The Goddess Of The Underworld“
Inkubus Sukkubus „Aradia“
Loreena Mc Kennith „The Mystics Dream“
Dead Can Dance „Yulunga“ Spirit Dance Live
Garmarna „Klevasbergselden“
Das Ich „Garten Eden“
Corvus Corax „Fili Neidari“
Das Zeichen „In The Garden“
Mila Mar „Djanga“
Engelsstaub „A Dream Within A Dream“

Weiterlesen „Titelliste Sa. 28.06.2003“