Corvus Corax „Cantus Buranus II“ (CD)

Neoklassik, Pathos mit Tröte und Schalmey
Cantus Buranus II
Cantus Buranus II

Der Kolkrabe ist nicht nur einer der intelligentesten Vögel überhaupt, er ist auch noch der größte Singvogel der Welt. Von ihm borgte sich die Mittelalter-Spielmanns-Gruppe Corvus Corax einst ihren wunderbaren Namen und schwingt sich gerade ebenso in die Gefilde weiterer Superlative auf. Den Titel „Könige der Spielleute“ hat die Combo zurecht seit Jahren inne, hat sie doch das bis dato eher staubige Feld der Mittelalter-Musik durch ihre  eigenwillige, kraftvolle Interpretation wieder urbar gemacht  und  mit Klasse, Spielfreude und viel Perkussiva den immer noch anhaltenden Mittelalter-Boom ausgelöst.

Als Corvus Corax haben sie das Spiel jener alten, fast vergessenen Musik revolutioniert und blieben damit bis heute unerreicht. Als Tanzwut haben die selben Musiker jenes klingende Mittelalter mit Rock und Metal- Elementen angereichert und waren eine der ersten Mittelalter-Rock Gruppen.

Ihre neues Projekt übertrifft diese beiden Welten allerdings  noch einmal in Umfang und Resonanz, hatten sich Corvus Corax doch in den Kopf gesetzt, Texte der „Carmina Burana“ neu zu vertonen… mit Dudelsäcken, allerlei exotischem Instrumentarium, vielen Trommeln, großem Chor und Orchester.

„Cantus Buranus“ war dann auch live und konserviert ein umwerfendes Erlebnis. Und mit ihrer neuen CD „Cantus Buranus II“ wird  Corvus Corax wohl noch mehr Leute erreichen, als sie das schon mit dem ersten Teil der Umsetzung der alten Texte getan haben, derer sich einst schon Carl Orff bediente. Damit erschöpft sich aber auch schon die Gemeinsamkeit mit der berühmten „Carmina Burana“, mal abgesehen davon, dass die Spielleute durchaus mit ihren Kompositionen die Qualität des berühmten Neo-Klassik-Werkes erreichen.

Dabei ist der zweite Teil von  „Cantus Buranus“ alles andere als eingängig und mit Mittelalter hat er höchstens noch etwas im Orff´schen Sinn zu tun. Die Arrangements, voller Stimmungs- und Tempowechsel, mit Streichern, Chören, einem hörbar teuren Tenor und einem ebenso ergreifenden Sopran, erinnern an die Sternstunden der bombastischen Filmmusik millionenschwerer Hollywood Produktionen… nur eben in Schnabelschuhen mit Schellen.

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OMNIA „Alive“ (CD)

Omnia "Alive!"
Omnia "Alive!"

Als OMNIA mit „Live Religion“ die einmalige Atmosphäre eines ihrer Konzerte auf CD veröffentlichten, war ich ihrem Treiben schon rettungslos verfallen. Als sie dann mit „Pagan Folk“ in die Liga professioneller Aufnahmen stiegen, eroberten ihre Lieder 2006 auch die gothischen Tanzflure, allen voran „Etrezomp-ni Kelted“. Dessen Präsenz bei meinen Parties konnte nicht einmal die „Cybershaman“ EP mit Club- Remixes diverser Omnia- Lieder erreichen, mit denen das Quartett in die Clubs wollte/sollte… Auf dem neuen Studioalbum „Alive!“ ist dann auch wieder alles so, wie es sein soll. Keine Beats, keine Loops, dafür jede Menge Atmosphäre, eine unglaubliche Intensität und … ja… Magie…

Musikalisch bewegen sich OMNIA damit einmal mehr allein auf weiter Flur. Ihr Zusammenspiel ist unkopierbar und über jeden Zweifel erhaben. Dabei haben die vier Musikanten viele Gesichter, allein Joe King Hennon beschränkt sich auf ein konstant brillantes Gitarrenspiel bei allen neun Liedern. Die anderen drei wechseln wild ihre Instrumente. Jenny Evans van der Harten spielt, neben keltischer Harfe und Hurdy Gurdy, auch wieder diverse Perkussiva (einschließlich zweier Teelöffel aus der Küche)- und Steve Sic Evans van der Harten diverse Saiteninstrumente, Drums und Flöten, während Luka, der Mann für die tiefen Töne, seine unverkennbaren Slideridoos erklingen läßt. Gesanglich harmonieren die drei ebenfalls auf eine unnachahmliche Art. Als Gast hat sich einmal mehr, als Freund der Band, Oliver Satyr von Faun auf der Platte verewigt. Daß ihm der Song Nummer sieben gewidmet sein soll, ist allerdings nur ein Gerücht… Außer ihm ist noch Qntal- Multiinstrumentalist Michael Popp an einer Sitar und ein bulgarischer Perkussionist zu hören.

Mit „Wytches Brew“ wird gleich zu Beginn eine unglaubliche Spielfreude vermittelt. Textlich zitiert man aus Shakespeares Macbeth… um dann, am Höhepunkt des diabolischen Tanzens in das große schwarze Loch einer der bekanntesten englischsprachigen Balladen zu fallen, denn Lied Nummer 2 ist ein sehr intensive, neunminütige Vertonung des Edgar Alan Poe Klassikers „The Raven“ und für mich das großartigste Stück dieser CD. Steve Sic ist ein so eindringlicher Rezitator, daß einem auch beim wiederholten Hören des Liedes immer wieder ein Schauer über den Rücken läuft. In ewiger Traurigkeit, am tiefsten Punkt aller erdenklicher Emotionen angekommen, geht es fast übergangslos wieder in einen energiegeladenen Freudentaumel über, den das titelgebende Stück „Alive!“ entfacht. Jenes „Can you feel alive today?“ beendet eine emotionale Achterbahnfahrt, die alle erdenklichen Höhen und Tiefen menschlichen Empfindens in nur drei Liedern auzuloten vermochte. Somit könnten Omnia danach machen was sie wollen, schließlich haben die meisten Bands weit weniger als drei Hits auf einem Album… jedoch liefert das überwiegend in den Niederlanden wohnende Quartett bis zum letzten Ton konstant hochwertige Folklore ab, die sich verschiedenster Traditionals bedient und diverse Mythen auferstehen läßt, wobei sich die Band weder auf die mittelalterliche Epoche noch auf irgendein anderes Klischee festlegen lassen will.

Mit „Fairy Tale“ huldigen sie beispielsweise Lewis Carroll, dem Schöpfer von „Alice in Wonderland“ während „Richard Parkers Fancy“ die irische Musik mit paganischem Zauber verschmelzen läßt. Wie schon beim Bonus Track „Sidhenearlahi Set“ auf der „Pagan Folk“CD vermag es Steve Sic, sich und den Zuhörer in viel zu kurzer Zeit in Rage zu spielen. Sein Flötenspiel stellt auch live das eines Ian Anderson weit in den Schatten, auch wenn das Jethro Tull Fans vielleicht anders sehen…

Aber gerade jenes Leben, was Omnia führen und propagieren es ist alles andere als ein Wettbewerb. Es ist erfüllt von Lebensfreude, Respekt vor den Dingen und Nichtdingen, ist naturverbunden und nicht zuletzt auch sehr engagiert (so als Gegenteil von politisch)… Das Wichtigste in Omnias Botschaft ist dabei nicht die Verlautbarung, sondern ihre unnachahmlichen „Yeahs! Yeahs!“, ein vorgelebtes „Aus- sich-herauskommen,“ oder „In-sich-hineinschauen“.

Für die vielen Zeichnungen im umfangreichen Booklet konnte Omnia den großen Alan Lee gewinnen, der als Konzept-Zeichner der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ bekannt ist. Das so zu einem wunderbaren Buch gewordene Begleitheft zur CD ist zudem gespickt mit Wegweisern und Anspielungen, mit Botschaften und mit Wissen über Kultur, Literatur und diversen Mythen, daß man dem Gesamtkunstwerk eine fast schon pädagogische Komponente zusprechen kann. Konzeptionell geht es auf „Alive!“ um die Überwindung der Vergänglichkeit durch die Kunst und durch unseren Umgang mit den Erinnerungen an das Vergangene.

In erster Linie ist „Alive!“ aber großartige Folklore heidnischen Ursprungs, qualitativ erhaben über allem schwebend, beseelt vom Geist der Wälder und Mythen und getragen von einer Spiel- und Lebensfreude, die einfach ansteckend ist.

Thomas Manegold 2007

Erscheinungsdatum: 07. 09.2007, Label: Banshee Rec., Audio CD

1. Wytches brew, 2. The raven, 3. Alive!, 4. Were you at the rock?, 5. Richard Parker’s Fancy, 6. The elven lover, 7. Satyrsex, 8. Equinox, 9. Fairy tale

Omnia Webseite

Faun: „Back To Nature“ (Interview)

FAUN

Mit TOTEM überraschte uns die Münchner Gruppe Faun mit einigen neuen Einflüssen und einer insgesamt düsteren Grundstimmung. Die Paganfolk-Band hat natürlich eine mystische Aura, aber bislang waren sie auch bei ihren Liveauftritten eher für die gute Laune diesseits und jenseits der mittelalterlichen Musik zuständig. Ein Interview ist ja fast schon so was wie ein Heimspiel für die Band. Bereits drei Mal spielte FAUN bisher im Top Act Zapfendorf und auch sonst macht die Chefredaktion keinen Hehl daraus, mit Haut und Haar jenem ominösen Geklang mit Namen Paganfolk oder Neocelt verfallen zu sein, wobei ja im Klangkosmos der Faune schon immer eine sehr eigene Art von Crossover für frischen Wind sorgte. Jasmin zog aus, neues und altes über Faun zu erkunden und sprach mit Oliver Satyr.

subKULTUR: Eure bisherigen CDs laden stets zu einer thematischen (Klang) Reise ein – im Booklet der „Zaubersprüche“ liest man, daß es nötig sei, mit Hilfe von Mythen und Legenden zurück zur Achtung vor der Natur finden, verzauberte Momente wiederzufinden– das war 2002…Hast du das Gefühl, daß sich in den letzten Jahren der Kreis der Menschen, die sich auf die Reise zurück zum Einklang mit der Natur, zu den alten Mythen begeben, vergrößert hat?

Oliver: Ja, ich glaube, da ist ein Bewußtsein am Erwachen. Die Leute sind extrem auf der Sinnsuche. Wir spielen mit dem Begriff „Pagan Folk“, was zwar etwas sperrig ist, um damit die Musik zu beschreiben, aber was zumindest einen kleinen Hinweis auf die Thematik gibt, und da merken wir, daß sich immer mehr Menschen von dieser angesprochen fühlen. Das Interesse auf den Konzerten ist sehr stark, die Leute sagen, sie finden die Musik toll und, vor allem, sie interessieren sich vermehrt auch für die Hintergründe – das nimmt immer weiter zu.

subKULTUR: Auf der CD „Licht“ fordert ihr auf, den gehörnten Gott Cernunnos bei seiner Reise in die Anderswelt, ins Licht zu begleiten. Auch der Faun, Pan oder der Satyr sind Wesen, die dem Archetypus des gehörnten Gottes entsprechen – im Christentum wurde daraus dann Satan oder auch Luzifer- (was ja eigentlich „der Lichtbringer“ bedeutet). Der gehörnte Gott wurde da vom Ins-Licht-Begleiter zum Lichtbringer – seid ihr mit eurer Musik bestrebt, die ursprünglichen Aspekte, die der gehörnte Gott in sich vereint, wieder ans Licht zu bringen?

Oliver: Auf jeden Fall. Leider sind viele der Überlieferungen heute verfälscht, gerade wenn man ins Altertum oder ins Mittelalter schaut. Vor allem im Mittelalter wurde alles fast ausschließlich innerhalb von Klostermauern aufgeschrieben, das geschriebene Wort außerhalb der klerikalen Welt gab es kaum. Das bedeutet auch, das Wissen , das wir heute über die Kelten und ihre Mythologie haben, stammt entweder aus archäologischen Funden oder aus Berichten Dritter, aber meistens lief das eben übers Kloster, was bedeutet, daß das natürlich schwer umgeschrieben ist. Man muß genau auf die Hintergründe schauen. Das gilt auch für diese Teufelsfigur. Es ist wirklich traurig, daß man überhaupt mit diesen Feindbildern konfrontiert ist, und auch, daß aus dem Thema Sexualität dieser Strick gedreht wurde. So etwas wie das Zölibat mag vielleicht bei ganz extremen Mönchen, die im Kloster leben, sinnvoll sein…

subKULTUR …. wenn es aus tiefster Überzeugung und freiwillig abgelegt wird, aber wer will das schon…

Oliver: Das dürfte nicht mal ein Prozent sein. Meist führt das zu vollkommener Selbstkasteiung und Ausartungen, die Funde von Babyleichen im Kloster sind dafür nur ein Beispiel von vielen. Was wir versuchen ist, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, zu sagen, was es wirklich mit dem gehörnten Gott auf sich hat. Und wir wollen den Fokus auf etwas richten, was unserer Meinung nach erstrebenswerter ist. Viele Leute interessieren sich dafür. Das war bei mir genauso, ich war oft in der Natur, weil ich merkte, daß ich dort etwas finde, was ich nirgendwo sonst fand, eine gewisse Kraft und Sicherheit, die mir sehr gut tut und mir den Halt in einer Welt gibt, die ja auch oft so vollkommen furchteinflößend ist, durch Zukunftsängste oder was auch immer. Es stellt sich dann die Frage, wie kann man das auch ein wenig lenken? Ich habe versucht, Hintergründe zu erfahren, was wirkt da, wie kann man es sich zunutze machen? Kann man das mitnehmen, wenn man auf Reisen ist, oder gibt es da Rituale, um diese helfenden Gefühle auch hervorzurufen? Ich habe sehr viel gesucht, und je mehr ich suchte, desto mehr Scharlatane habe ich leider auch gefunden. Das Wesentliche ist aber, trotz allem die Suche nicht aufzugeben. Wir versuchen, den Leuten ein paar Tips von unserer eigenen Suche mitzugeben.

subKULTUR: „Renaissance“ war die bisher kommerziell erfolgreichste CD, die auch produktionstechnisch teurer klingt als „Licht“ und „Zaubersprüche“ – was war da anders als bei den CDs vorher?

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Corvus Corax: „Die Gitarre des Mittelalters“ (Interview)

Corvus Corax 2006
Corvus Corax 2006

Corvus Corax sind eine der wenigen Bands, die den Aufstieg der Mittelalter-Szene in Deutschland nicht nur von Anfang an beobachtet, sondern auch maßgeblich beeinflusst haben. Schließlich scheinen sich heutzutage mehr Bands der Szene an Corvus Corax als am realen Mittelalter zu orientieren. Nach ihrer wahrhaft fulminanten Carmina Burana-Vertonung samt Orchester und zwei Chören melden sich die Berliner Spielmänner dieser Tage auch schon wieder mit einer neuen Veröffentlichung namens „Venus, Vina, Musica“ zurück, welche die Band wieder von ihrer rein mittelalterlichen Seite zeigt. Frontmann und Dudelsack-Viruose Castus Rabensang stand vor dem Tanzwut-Tourneestart in Berlin ausführlich Rede und Antwort.

Zunächst einmal, erachtet ihr die normale Mittelalter-Version von Corvus Corax und die ‚Cantus Buranus‘ Aufführungen samt Orchester und Chor als zwei grundverschiedene Projekte?

Castus: „Im Prinzip kann man sagen, dass ‚Seikilos‘ der Vorgänger von ‚Venus Vina Musica‘ ist, da wir bei ‚Cantus Buranus‘ für Orchester, mittelalterliches Ensemble und zwei Chöre alles selbst komponiert haben. Wenn wir hingegen mit sieben Leuten auf der Bühne stehen, geht es darum, dass mittelalterliche Musik im Stil von Corvus Corax vorgetragen wird. Wir verändern die Stücke natürlich auch und spielen nicht nur verstaubte Melodien, denn Corvus Corax hat Stil und das wollen die Leute auch hören. Es geht um Tanzmusik des Mittelalters und ab und zu mal eine schöne Ballade oder eine abgefahrene Story.“

Gab es bei „Venus Vina Musica“ eine neue Herangehensweise, verglichen mit „Seikilos“?

Castus: „Wer die Geschichte von Corvus Corax kennt, weiß wie sich bei uns alles entwickelt hat. Zwischendurch hatte unsere Musik durch die Einflüsse von Tanzwut einen technischen Touch. Das fing bei ‚Viator‘ an, als wir versuchen, das Mittelalter auf den neuen Stand zu bringen, wurde bei ‚Mille Anni Passi Sunt‘ etwas weniger und auf ‚Seikilos‘ sind wir schließlich wieder back to the roots gegangen. Dieses Album hatten wir komplett eingespielt, ohne Samples oder Programmings. Wir wählten dafür eine andere Herangehensweise, sprich eine abgefahrene Vorproduktion, bei der man die Sounds anhand von Samples skizziert. Dabei ist uns aufgefallen, dass man in der Naturmusik theoretisch alles nachmachen kann. Wir haben mit Vocodern gearbeitet und eine arabische Geige klang haargenau so. Es ist unvorstellbar, was wir mit unseren über hundert Instrumenten an Klängen und Stimmungen erzeugen können. In diese Richtung gehen wir jetzt weiter, wir benutzen zwar noch Hall und Delay, aber das war es dann auch.“

Also würdet ihr auf Aufnahmen nicht zugunsten der Authentizität verzichten;-)?

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OMNIA „Pagan Folk“ (CD)

PAGAN FOLKOmnia waren schon immer eine Liveband, was soviel bedeutet, daß man sie zumindest einmal gesehen haben muß, um zu erleben, welcher Zauber und welche Anziehungskraft von den Vieren ausgeht. Da spielt es keine Rolle, ob die CD als Erinnerungsträger soundtechnisch etwas dünn ausgefallen ist, wie einst „Crone Of War“ oder ob sie mit nur einem Mikrophon in einer Kirche mitgeschnitten wurde, wie einst „Live Religion“… oder ob alles an Erfahrung, Geld und Zeit reingesteckt wurde, was der Band zur Verfügung stand, wie anno 2006 in vorliegendes Album „Pagan Folk“.

Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten. Was dann, reichlich mit keltischen Ranken verziert, dargeboten wird, mag erstmal exotisch erscheinen, denn in der Tat sehen Omnia eher wie Indianer aus, als wie die Mittelalterleut… und so nach einer halben Stunde fühlt man sich ihnen näher, als dem eigenen Spiegelbild…

Woran das liegt, mag jeder für sich herausfinden, denn alles das, was Omnia jenseits der Musik ausmacht, ist eine sehr unterhaltsam verpackte, wichtige Botschaft über unsere keltischen, matriarchaischen Wurzeln. Sic ist ein Sarkast, wenn er in den Ansagen Römer, Christen und Amerikaner in einen Sack steckt und ihn lächelnd zubindet, wenn er sich in den Schritt faßt und die typische marktschreierische testosterongeschwängerte Ansage führender Mittelaltercombos nachahmt, ohne einen Namen zu bemühen … Weiterlesen „OMNIA „Pagan Folk“ (CD)“

DEAD CAN DANCE (2004)

DEAD CAN DANCE sind Inbegriff für atmosphärische Musik mit außereuropäischen Einflüssen. Oft kopiert und nie erreicht sind sie die „Urversion“ des Duos, das nicht zuletzt auch mit den männlich/ weiblichen Gegensätzen magische, spirituelle Einheit sucht und sie musikalisch heraufbeschwört, sie schwingen läßt, begreifbar und ewig macht. In der Klangwelt von Dead Can Dance treffen mittelalterliche Chöre auf Didgeridoos und exotische Perkussions auf unterschiedlichste Saiteninstrumente – einzigartig verwoben mit Lisa Gerrards und Brendan Perrys Stimmen, die schlußendlich doch gemeinsam jene magischen Momente erschufen, die man nicht beschreiben kann.

Lisa Gerrard & Brendan Perry begannen bereits 1980 als Dead Can Dance Musik zu machen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außerdem die Musiker Paul Erikson und Simon Monroe. Sie erlangten mit Platten wie „The Serpents Egg“ & „Aion“ absoluten Kultstatus- gerade wegen Lisa Gerrards unverwechselbarer Stimme und ihren „wortlosen“ Texten…

Jedes Album war geprägt von einer musikalischen oder historischen Epoche. So waren die ersten Platten noch sehr mittelalterlich. Später gewannen bevorzugt außereuropäische Einflüsse immer mehr die Oberhand, natürlich ohne andere Stile und Prägungen zu verleugnen, so zum Beispiel den irischen Einfluß in den Kompositionen Brendan Perrys. Mit dem (vorerst) letzten Album „Spiritchaser“ befand man sich musikalisch zuweilen in Afrika, an den Ufern des Nils…

Ende 1998, nachdem Lisa Gerrards zweite Solo-CD „Duality“ erschienen war, bestätigte die Plattenfirma 4AD die Auflösungsgerüchte: Dead Can Dance sagten überraschend eine anstehende Tour ab und erklärten ihre Zusammenarbeit für beendet. Bis 1998 erschienen 9 reguläre CDs.
Für einen, logischerweise nicht vollständigen Überblick sei das exzellente Livealbum „Toward The Within“ empfohlen (4AD, Rough Trade 1994 auch als VHS und DVD). Hier hat man einmalig die Gelegenheit, die Philosophie des Musizierens, welche sich auch im Namen verbirgt, zu erahnen, denn trotz eines manchmal schon beängstigenden Perfektionismus´ ist das Werk und der Akt des Musizierens im höchsten Maße spirituell. Ein Live-Konzert von Dead Can Dance gleicht einer Messe, wenn Lisa Gerrard ganz in weiß gekleidet, engelsgleich auf der Bühne erscheint und mit ihrer unglaublichen Stimme das Publikum vom ersten Ton an hypnotisiert.

Nach der Trennung erschien Brendan Perrys Soloalbum „Eye Of The Hunter“ Lisa Gerrard arbeitete am Gladiator Soundtrack mit und wurde mit geradezu euphorischen Kritiken und einer Oskar Nominierung bedacht. Diesen Erfolg konnte sie mit „Whale Rider“ als alleinige Komponistin, ohne Hans Zimmer, nicht wiederholen.

Schon während des Bestehens von Dead Can Dance waren Lisa Gerrard und Brendan Perry das Maß aller Dinge und Nichtdinge. So fanden sich zahlreiche Bewunderer, Epigonen und auch MusikerInnen, deren unabhängige Kunst durch die Popularität von Dead Can Dance beflügelt wurde. Immer wieder wurden Vergleiche bemüht, mal segensreich, mal wie ein Fluch lastend auf doch so eigenständig agierende Bands wie Love Is Colder Than Death oder MILA MAR. Zu nennen wären weiterhin Louisa John- Krol und Loreena Mc Kennith, deren Folklore durch die exzellenten Stimmen ebenfalls intensive spirituelle Prägung erfährt oder auch Bands wie D´acardia, Faun und Unto Ashes, die mit ihren Gesängen ebenfalls magische Momente heraufbeschwören.

Dann flatterte eine Meldung auf den Tisch, erst als vages Gerücht und dann an kaum zu glaubende Gewißheit: Dead Can Dance werden im Frühjahr 2005 drei Konzerte in Deutschland geben: Sa , 26.03.2005, Philharmonie, Köln – So , 27.03.2005 Philharmonie, München – Di , 29.03.2005, Philharmonie Berlin. 6 Wochen nach Vorverkauf Start waren München und Berlin faktisch ausverkauft. Wenig später war auch schon von einer Reunion Tour die Rede und auf der Dead Can Dance Webseite als ausschließliche Infomation folgene Dates angekündigt:

10.03.05 Olympia Theatre – Dublin – Ireland
12.03.05 Prins Willem Alexander Zaal (NCC) – Den Haag – Netherlands 14.03.05 Palais de Congres – Paris – France 16.03.05 Salle Vauban – Lille – France 17.03.05 Bozar (Centre for fine arts) – Bruxelles – Belgium 19.03.05 Theatre Femina – Bordeaux – France 21.03.05 Teatro Lope de Vega – Madrid – Spain 22.03.05 Barcelona Auditori – Barcelona – Spain 24.03.05 Teatro dal Verme – Milan – Italy 26.03.05 Philharmonie – Cologne – Germany 27.03.0 – Philharmonie – Berlin – Germany 29.03.05 Sala Kongresowa – Warsaw – Poland 31.03.05 Dome Cathedral – Riga – Latvia 01.04.05 Oktyabrsky Concert Hall – Saint Petersburg – Russia 03.04.05 Barbican Centre – London – England

Ansonsten sind die Informationen rar gesät (waren sie eigentlich schon immer). Auffallend ist, daß ausschließlich renomierte klassische Häuser bespielt werden. Im September soll diese Tour in Amerika fortgesetzt und mit einem voll orchestrierten Abschlußkonzert in Los Angeles beendet werden. Das läßt natürlich Raum für Spekulationen auf eine neue Veröffentlichung.

Klar, man wolle es nochmal wissen, zudem neue Instrumente ausprobieren, wurde Lisa Gerrard zitiert. „Das Lineup der Musiker“, so sagte sie weiter, „ist absolut phänomenal; eigentlich sogar noch besser! Es wird ohne Zweifel DAS Dead Can Dance Ereignis schlechthin. Es ist schwer meine Aufregung und Erwartungen in Worte zu fassen.“

Das geht wohl nicht nur ihr so. Als stetig glühender Dead Can Dance Verehrer wurde mir schwindelig vor Freude. „Erschwerdend“ kommt hinzu, daß jene Sympathie zur Magie und Reinheit die fast einzige haltlose Begeisterung ist, die mein Wirken als Musikjournalist schadlos überdauert hat. Keine Desillusion konnte jener Begeisterung für die Stimme Lisa Gerrards etwas anhaben, vielmehr war diese prägend und das hochgesteckte Maß, wenn ich durch Zeiten und Musiken wandelte. Nicht zuletzt ist ihr auch die Inspiration zu verdanken, die schließlich zum Goettertanz geführt hat.

Deshalb ist es auch eine große Ehre, am 25.12.2004 eine Dead Can Dance Party ausrichten zu dürfen. Unser Goettertanz Special im Top Act Zapfendorf wird mit der Verlosung zweier Ehrenkarten für das bereits ausverkaufte Konzert in München zu einer letzten Möglichkeit, bei jenem Konzertereignis 2005 dabei zu sein.

Text: Thomas Manegold 2004
Bilder: http://www.lisagerrard.com
http://www.deadcandance.com

GARMARNA- Discographie

Was Corvus Corax für Deutschland, ist wohl GARMARNA für Schweden. Die schwedische Formation drückt, in einer ständigen Entwicklung sich befindend, der alten Musik ihrer Heimat ihren eigenen Stempel auf und adaptiert sie so einmalig. Nun ist eine simple Popvariante eines mittelalterlichen Stückes gleichsam verpöhnt, wie eine rein authentische Darbietung den ehrlich urteilenden Neuzeitler auf Dauer einfach langweilt. Somit macht es auch hier einmal mehr die Mischung und eine erfolgreiche „Überlieferung“ setzt gleichsam handwerkliches Können, Erfurcht, Sachkenntnis und Experimentierfreude voraus. All das ist bei Garmarna zu finden. So entwickeln die, selbst für germanische Ohren, eher scharfkantigen schwedischen Texte einen ureigenen Charme, der einen dauerhaft infiziert, sodaß gerade die ersten Veröffentlichungen der Schweden eine gewisse Zeitlosigkeit auszeichnet. Nebenstehend findest Du nun die offiziell in Deutschland erschienen CDs von GARMARNA. Darüber hinaus sind einige weitere Silberlinge als US Import zu haben.

VITTRAD

Vittrad 1994

Das 1994er Album ist das traditionellste des Quintetts. Ursprünglich, durch die noch sehr jung wirkende Stimme von Emma Härdelin an Frühling und Kindheit erinnernd, verzaubern die Klänge überwiegend akkustischer Instrumente (Violine, Flöten, Maultrommeln, Gitarre, Harfe). Manchmal hat hier die Musik auch noch den spontanen Charakter einer Jam oder einer Runde am Lagerfeuer. Überhaupt ist „Vittrad“ eine Ode an die Wälder und die (nordische) Natur und kommt ohne jeglichen völkischen oder sonstig verklärenden Pathos aus.

Der Titelsong „Vittrad“, das schwungvolle „Antiokia“ und das brachiale, rituelle, von fetten, hypnotischen Gitarrenriffs getragene Instrumental „Klevabergselden“ haben den Weg auf die Playlisten des Goettertanzes gefunden.

1.Straffad Moder & Dotter 2.Garmgny 3.Nämndemans-Ola 4.Kulleritova 5.Vittrad 6.Skallen 7.Flusspolska 8.Antiokia 9.Liten Kersti 10.Inte sörja vi… 11.Domschottis 12.Den Bortsalda 13.Styvmodern 14.Klevabergselden

GUDS SPELEMÄN

Guds Spelemän 1996Die mit dem wunderschönen „Original“ von „Herr Manelig“ eröffnende CD ist für mich das musikalisch stimmigste Album von GARMARNA und zugleich das gitarrenlastigste. Anno 1996 schien die Symbiose von Alt und Neu bei GARMARNA eine gewisse Vollkommenheit erreicht zu haben, denn nichts überwiegt, weder die modernen Einflüsse, noch die des Mittelalters und der nordischen Folklore. Naturverehrung, Mittelaltermystik, düstere Sagenwelten, tragische Lieben … vor allem die dramatischen Seiten des Lebens verschaffen sich hier Gehör, wegen der Gitarren etwas lauter und düsterer, als noch auf „Vittrad“, allerdings immer noch ohne ohne zu „schreien“.

Neben „Herr Mannelig“ waren auch schon „Guds Spelemän“, „Halling fran Makedonien“ und „Njaalkeme“ beim Goettertanz zu hören.

1.Herr Mannelig 2.Vänner och Fränder 3.Halling fran Makedonien 4.Min Man 5.Varulven 6.Hilla Lilla 7.Drew Drusnaar/ Idag som igar 8.Njaalkeme 9.Herr Holger 10.Guds Spelemän

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Corvus Corax „Die Könige der Spielleut“ (Interview)

Corvus Corax 2000

INTROITUS: Da ein Terminus Quasselus mit den Spielleuten man uns anzubieten gedachte, zog er von dannen, unser Herr von Sturzbach, um den Worten des Meister Selbfried zu lauschen, der da ward in Bamberg mit seinen musizierenden Freunden. Unser Hilbert ward höchsterfreut, denn auch die Gruppe CORVUS CORAX schien der Shizophrenia verfallen, weil sie doch mit allmöglichen elektrischem Beiwerk da in Bamberg zugange ward und TANZWUT sich zu nennen pflegte. Und doch ward es ein schöner Plausch mit Meister Selbfried und Castus über CORVUS CORAX und das neue Album „Mille Anni Passi Sunt“, doch leset selbst:

H.v.S.: Was hat euch bewegt, ein Album über den rumänischen Volkshelden „Vlad III. Tepes“ (= der Pfähler) zu machen?

M.S.: Übers Management kamen wir eher zufällig mit dem letzten Nachfolgers Draculeas, Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco, zusammen. Er hat ein Restaurant namens „Dracula“ in Berlin. Einerseits, geht er mit dem Namen und mit der erfunden Person aus Bram Stokers Buch etwas hausieren. Andererseits ist er ein sehr geschichtsbewusster Mensch. Er kennt seine Familiengeschichte sehr gut und legt wert darauf, daß sie auch richtig wiedergegeben wird. Er hat z.B. auch gegen den Film „Bram Stocker’s Dracula“ geklagt, weil im Film Prinz und Fürst verwechselt wurde. (Vlad III „Tepes“ war Fürst der Wallachei. d.Autor). Uns hat fasziniert, daß jemand so mit seiner Geschichte umgeht. Wir versuchen mit unserer Musik genau das, was Bram Stoker mit seinem Buch gemacht hat. Aus alten Quellen etwas Neues zu schaffen. Das ist eine Parallele die man vertreten kann.

H.v.S.: In welchem Studio ward ihr für die Aufnahmen zugegen?

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