QNTAL- Über die Vergänglichkeit von Schönheit, Ruhm und Macht

Ein Interview mit Michael Popp aus dem Jahr 2005

Michael Popp (Qntal 2005 @Top Act Zapfendorf)

QNTAL war ein Phänomen, das sich anfang der 90er aus den Klanguniversen der Herren Michael Popp (Estampie) und Ernst Horn (Deine Lakaien) gebildet hatte. Daß die SzeneHits „Et Mortem Festinamus“ und „Palästinalied“ zu zeitlosen Klassikern wurden, ja daß ihnen mit einer immensen Vergrößerung der angesprochenen Musik Szenen, ein ganzes neues Genre folgte, konnte damals niemand ahnen. Doch der Crossover aus Musiken des Mittelalters und anliegender Epochen mit modernen Popmusikelementen, Elektronik und Gitarren, trieb immer buntere Blüten, während Qntal, nach zwei schlicht nummerierten Platten, schwieg. Dann kam der Split. Ernst Horn ging, sein neues Projekt Helium Vola kam und QNTAL ersuchte sich eine Identiät im inzwischen heißumkämpften Markt der Mittelalter-, Renaissance- und Klassik Adaptierer. Schon mit dem, nach sieben Jahren Pause erschienenen, dritten Album war da ein qualitativ hochwertiges Zeichen gesetzt, das nun mit dem vierten Album seine Vollendung erfährt. Qntal scheint, nach einer langen Irrfahrt und vielen Querelen, nun inmitten der Epigonen und Abzweigungen einen Platz gefunden zu haben. Aus dem Trio Syrah (Gesang), Michael Popp (Instrumente, Kompositionen) und Phillip Groth (Electronics, Produktion) ist (wieder) eine Band in Hochform geworden, die Hits schreiben kann und dabei unverwechselbar bleibt.

ToM: Was hat sich produktionstechnisch verändert, daß euer viertes Album um so viel „besser“ klingt, als das dritte… und das nach relativ kurzer Zeit?

Michael Popp: Tja, was ist schon eine „gute“ Produktion. Es kommen da viele Sachen zusammen, die Komposition, die Technik und nicht zuletzt auch der „Spirit“. In diesem Fall hatten wir alle ein durchweg gutes Gefühl. Schon das Komponieren war einfach und ging locker von der Hand. Dann kennen wir uns halt auch besser als noch vor 3 Jahren. Das alles macht etwas aus. Das Equipment und die Produktionsmethode haben sich eigentlich nicht geändert.

ToM: Das Album „Signum“ von Estampie präsentierte das Ensemble um einiges geradliniger und moderner, als noch die Vorgänger Alben deines authentisch musizierenden Projektes. „QNTAL IV“ ist sehr organisch, sodaß die beiden Gruppen sich stilistsich etwas annähern. Ist das Absicht, ein Trend in Richtung Fusion?

Michael Popp: Nein. Natürlich kann man nicht verleugnen, daß hinter beiden Bands teilweise die selben Leute stecken, aber man darf auch nicht überschätzen, wie viel man beim Einspielen einer CD überhaupt vorher planen kann. Wir gehen da eigentlich schon sehr akribisch vor, recherchieren viel, haben ziemlich genaue Konzepte in den Köpfen und trotzdem ist man dann immer wieder überrascht, wie es dann am Ende klingt. So eine Produktion führt irgendwie ein Eigenleben, während man daran arbeitet.

Syrah (Qntal 2005 @ Top Act Zapfendorf)

ToM: Welches Instrumentarium hat im Verlauf der Enstehung von „Ozymandias“, eurem, vierten Album, nun Einzug gehalten… oder sind die exotischen Klänge alle virtuell?

Michael Popp: Da ist schon viel Mittelalterkram dabei, allerdings haben wir die Klänge oft so stark verfremdet, sodaß man nicht mehr sagen kann, was akutsich und was elektronisch erzeugt wurde…. Moment …. Ich muß mal nachdenken: Fidel, Laute, Du, Tambur, Klarinette, Flöte, Dudelsack, Posaune, Drehleier … wir haben schon Einiges live gespielt.

ToM: Hattet ihr für die tollen Satzgesänge noch Gäste im Studio oder ist „Ozymandias“ zu dritt entstanden?

Michael Popp: Die gesänge haben wir alle selbst gesungen….aber ein paar freunde haben instrumente eingespielt. Das geht bei uns ziemlich unkompliziert, da gibt´s keine vorgaben. Jeder kann sich da selber verwirklichen. Ob´s dann aber am Ende auf der CD bleibt entscheiden nur Syrah, Fil und ich.

ToM: Schielt ihr auf den Tanzflur, wenn ihr QNTAL seid oder laßt ihr euich einzig von eurer Vision leiten?

Michael Popp: Wir hatten uns vorgenommen, im Gegensatz zum dritten Album, die Stücke eindeutiger zu machen. Ein tanzbares Stück soll auch wirklich straight durchgehen, ein lyrisches Stück wirklich fragil und zerbrechlich wirken und ein synphonisch angelegtes Werk auch wirklich mächtig und breit klingen. Paradoxerweise entsteht genau dadurch der Eindruck eines klanglich geschlossenen Albums. Da habe ich auch wieder was dazugelernt.

ToM: Wie kamt ihr zum Drakkar Label und wie ist dort die Zusammenarbeit angelaufen?

Michael Popp: Nachdem Vielklang pleite gegangen ist mit all den unschönen Begleiterscheinungen, die so eine Insolvenz mit sich bringt (nicht ausgezahlte Tantiemen, „vergessene“ GEMA-Anmeldungen usw.), haben wir uns halt umgeschaut und sind bald, über den Verlag Radar, auf Drakkar gestoßen. Diesen Schritt haben wir überhaupt nicht bereut, die Zusammenarbeit läuft super, wobei ich auch sagen muß, daß die Zusammenarbeit mit Doro von Vielklang gut geklappt hatte… bis eben die Insolvenz kam.

ToM: Was ist das inhaltliche Anliegen der CD, folgt sie, ähnlich der dritten, einem Konzept, auch jenseits der überspannenden Feuerthematik? Ich habe zwar auch den Pressetexct gelesen, doch halte ich es für wichtig, eure inhaltliche Relevanzen, die ja oft jenseits von Deutsch und Englisch liegen, etwas zu vertiefen

Michael Popp: Das Interessanteste beim künstlerischen Arbeiten ist ja das, was unterbewußt passiert. Oft kommt hinterher ein Kritiker und stößt uns auf inhaltliche Dimensionen, die uns während der Arbeit gar nicht so bewußt waren. Wir hatten eigentlich nur den Ansatz, uns von dem Gedicht „Ozymandias“ leiten zu lassen, das die Vergänglichkeit von Schönheit, Ruhm und Macht beschreibt, ein Inhalt, der viel mit dem Wiederentdecken mittelalterlicher Musik zu tun hat. Während der Arbeit wurde uns dann bewußt, das die ganze CD sehr viel mit den vier Elementen zu tun hat. Dieses Thema fasziniert vor allem Syrah sehr. Und so hat besagtes Unterbewußte uns wohl einen Streich gespielt, denn eigentlich hatten wir diese Thematik für „Ozymandias“ nicht angehen wollen.

ToM: Warum hat es kein Song der Stella Splendens/ Nihil Maxi auf das Album geschafft?

Michael Popp: Von „Stella Splendens“ gibt´s ja schon einen Remix und „Nihil“ wollen wir für die Herbsttour nochmal ganz neu angehen. Insofern war eigentlich kein Platz für diese Stücke…

Qntla live @ Top Act Zapfendorf 2005

ToM: Ist euer neues Album auch in einem der MP3 Stores, wie iTunes zu haben?

Michael Popp: Puh, das weiß ich eigentlich gar nicht.. ich bin soviel mit der Musik beschäftigt, daß ich mich um die Geschäfte nicht kümmern kann. Gottseidank gibt´s ja unseren Manager Andy, der das alles für uns erledigt…

ToM: Ok, dann geht die Frage (krrrrrz…. , neue Leitung, Nummer schnellgetippt, tuuuuut… Konferenzschaltung) an den Manager…

Andy: Nein, keine MP3s, keine Downloadmöglichkeit in einschlägigen Portalen. Das geht allerdings auch vom Label aus, welches eine entsprechende Politik verfolgt. Meiner Meinung nach spielt diese Form des MusikErwerbs bei unserem Klientel eine eher untergeordnete Rolle!

ToM: Was hältst du als Privatperson von dieser neuen Möglichkeit der Musikvermarktung?

Michael Popp: Wenn´s nach mir ginge, gäbe es immer noch die guten, alten Vinyl LPs, da konnte man mehr mit Artwork und Covergestaltung machen, aber glücklicherweise fragt mich niemand. Ich glaube, in Vermarktungsdingen bin ich eine ziemliche Null, leider. Vielleicht hängt das mit meinem musikalischen Werdegang zusammen, als klassisch ausgebildeter Musiker geht man an diese Dinge ein bißchen antiquierter ran, glaube ich.

ToM: Sind bei euch dennoch kreative, medienverbindende Dinge geplant, die über das klassische Musizieren und promoten hinausgehen?

Michael Popp:Du meinst Klingeltöne und so? Ich kann mir ja gar nicht vorstellen, daß es da Leute gibt, die sowas kaufen, aber da kannst du mal sehen, wie sehr ich hinter dem Mond lebe… Ein Film hingegen wäre schon ein Traum, das hat ja eine zusätzliche künstlerische Dimension und das finde ich interessant. Also, Regisseure aufgepaßt! Meldet euch in Massen bei uns!!!!!

ToM: Nach Alteuropa und einem kurzen Trip in Richtung Orient… Wohin wird die Reise von Qntal nun gehen?

Michael Popp: Das lassen wir in Ruhe auf uns zukommen. Da sitze ich mal bei Sonnenuntergang an einem See oder auf einem Berg, schaue in die Luft und plötzlich weiß ich ganz genau, was als Nächstes kommt. Manchmal ist es besser einfach hinzuhören und hinzuschauen, was kommt, und sich nicht alles auszudenken.

Ich danke für das Interview. (Mai 2005)

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Autor: Silbenstreif

Silbenstreif Label und Studio Berlin

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